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Mach kaputt was kaputt gehen kann und tausche es aus!!! (Teil 3)

Von Talamone aus sollte es nach Lorient gehen um im Mai an der Langstreckenregatta Mini en Mai teilzunehmen. 500 Seemeilen quer durch die Biskaya mit vielen Spannenden Passagen wie zum Beispiel der Passage „La Plate“. Einfach mal drauf klicken und das YouTube Video anschauen. Ja, da müssen wir vorbei segeln, so will es die Classe Mini.

Vorher musste ich aber noch sicher und nach Möglichkeit ohne Kontakt mit den Carabinieri durch Italien kommen und die Alpen überqueren. Was ist der direkteste Weg von Talamone nach Lorient? Die Autobahn Passage über Torino, Grenoble, Lyon und immer weiter nach Westen bis nach Lorient. Das Navi sagte mir etwa 1700 Kilometer voraus. Boa…was für eine Strecke. Mittlerweile mutig geworden packte ich die Gelegenheit und startete am Tag. Der Weg über Monaco via Marseille bis Lyon hätte einen riesen Umweg bedeutet und weil das Navigationssystem diese Route vorschlug und die gesamte Strecke über eine Autobahn führte dachte ich mir nichts dabei. Was ich allerdings nicht wusste war, dass die Strecke durch einen Mautpflichtigen Alpen Tunnel führt der bei meiner Ankunft auf dem Display eine Summe von über 300 € anzeigte. Kurz vorher hatte ich, so dachte ich zumindest, die Grenze Italien/Frankreich passiert und der Grenzer guckte schon sehr überrascht und fragte mich, ob ich denn auch auf diesem Wege gekommen sei. Er meinte mein Boot wäre ja sehr groß und ich versicherte ihm, dass es lediglich ein 6.50 kleines Boot wäre, er müsse sich keine Sorgen machen. So passierte ich den Posten und erreichte die besagte Mautstation. Als die Dame am Schalter erklärte, dass das Gespann ja mehr als 3 Meter hätte versicherte ich Ihr, dass es weniger als 3 Meter wären, doch Sie beharrte auf Ihrer Position und fing an mit einer langen Stange zu hantieren. Mittlerweile war ich umzingelt von Beschäftigten dieser Mautstation und komisch anmutenden Personen. Als ich begriff, dass Sie nicht die Breite, sondern die Höhe meinte machte ich mir zunächst keine Sorgen, denn die Höhe des Tunnels sollte ja klar ausreichen. Das tat er auch, aber genau deswegen sollte ich schon mehr als 300 € für die Passage zahlen. Als Sie die Ausmaße des Mini begriff, fragte Sie mich auch nach der Breite und ich sagte so um die 2,50 Meter. Sie runzelte die Stirn und die Jungs die sich mittlerweile um mein Auto versammelten fingen an ihr Maßband zu zücken. Als Sie begriffen, dass ich mind. 3 Meter breit sein müsse sagte Sie mir, das würde jetzt aber dann 460 € kosten. Als sich  auch der Grenzer langsam in meine Richtung begab wurde ich echt nervös, denn ich bekam Panik, dass ich jetzt noch kurz vor Frankreich von den Italienischen Carabnieri in die Mangel genommen würde. Ich gab Ihr meine Visa Karte und sagte, buch die Kohle ab und lass mich passieren. Sie wollte es nun aber genau wissen und sagte mir, ich dürfe jetzt rückwärts aus der Mautstation fahren und Sie würden mein Gespann vermessen. Als der Grenzer nicht mehr weit weg war fragte ich einen der Herren ob ich nicht umdrehen und einen anderen Weg fahren könne. Er bejahte das und so schnell wie er das sagte sah er mich auch umdrehen und den Weg zurück Richtung Torino antreten. Schnell in Sicherheit gebracht musste ich erst einmal eine Raststation finden um mein weiteres Vorgehen zu überdenken. Ich fuhr von der Autobahn und hielt auf die nächstgelegene Tankstelle zu. Allerdings, und das war mir gar nicht so bewusst, war ich ja schon mitten in den Alpen und als ich abfuhr befand ich mich mitten in einem Skigebiet mit engen Straßen, extremen Steigungen und Gefällen und Menschen die mit Ihren Skiern auf den Schultern von Ihrem Abfahrtstag zurückkamen.

Mini in den Alpen
Mini in den Alpen

Ich fühlte mich wie ein Außerirdischer und (immer noch in Italien) kurz davor ein echtes Problem mit der Polizei zu bekommen. Würde mir jetzt ein Carabinieri entgegen kommen, ich wäre erledigt. An der Tankstelle angekommen schaute ich auf das Navigationssystem und erkannte, dass Frankreich nur 15 Kilometer entfernt sei. Die Autobahn war ausgeschlossen, dass hatte ich ja gerade versucht. Also über die Bergpässe und erstmal nach Frankreich um in Sicherheit zu sein, denn für Frankreich hatte ich ja eine Genehmigung. Es folgten 4,5 Stunden Bergpass Fahrt über abenteuerliche Routen, an überraschten Passanten vorbei die nicht glauben konnten, dass Ihnen in Ihren Skiklamotten gerade ein Segelboot entgegen kommt usw. usw. Es war ein Abenteuer was ich definitiv nicht noch einmal erleben möchte. Italien ist super schön, aber nicht über Land mit dem eigenen Mini. Das steht einmal fest.

In Lorient angekommen machte ich einen Termin mit dem hiesigen Elektriker ab um meine Autopilot Probleme in den Griff zu bekommen. Ich erteilte ihm den Auftrag sämtliche Kabel von und zu dem Autopiloten und von da aus zu den Antrieben zu tauschen um allemal das Problem aus der Welt zu schaffen. Leider leider, aber der Elektriker ist zwar eine Koryphäe, aber er ist auch etwas verplant und so verhaspelte er sich mit der Zeit und tauschte nur ein paar Kabel die augenscheinlich in einem schlechten Zustand waren. Den ganzen Auftrag, so wie ich ihn mit ihm besprochen hatte hatte er leider nicht erledigt, obgleich er 4 Wochen Zeit hatte. So ist es kein Wunder, dass mich dieses unsägliche Problem auch auf der dritten Regatta des Jahres begleitete. Weiterhin war ja auch noch die defekte Windanlage an Bord und auch diese musste repariert werden. Simon Koster, der erste Eigner meines Mini hatte sich freundlicherweise der Sache angenommen und die Windanlage versucht zu reparieren. Allerdings kam auch er irgendwann nicht weiter und so machten wir doch den Versuch NKE zu überreden den Windsensor anzuschauen. Da ich mittlerweile mit Namen dort bekannt bin haben Sie sich tatsächlich der Sache angenommen und Siehe da, Sie konnten die Windanlage für sage und schreibe 56 € reparieren, es soll Wasser in den Sensor gekommen sein. Wie das sein kann ist mir schleierhaft, denn alles ist verschlossen. Das ist aber immerhin das erste Mal, dass ich für kleines Geld etwas auf meinem Mini repariert bekommen habe…was ein Erlebnis. Jetzt musste nur noch der Carbon Wing an den Sensor laminiert werden und wie üblich in Lorient gibt es für jeden Job auch irgendwo eine Koryphäe. In diesem Fall war es Marianne Moulec die in einer kleinen Hinterhofwerkstatt eine Carbonküche eingerichtet hat. Einfach cool. Sie sagte nur….“don´t ask me for the price“ und ich sagte….“ok please do it“. Für 150€ bekam ich einen wieder 100% festen und laminierten Carbo Wing. Soweit so gut.

Mini en Mai 2017
Mini en Mai 2017

Angekommen in La-Trinite-Sur-Mér machte ich mich wieder an die üblichen Arbeiten das Boot segelklar zu bekommen. Schnell noch den Security Check abgehakt. Es war tatsächlich alles vorhanden, das neue Narwal Segel für kleinere Veränderungen verpacken und nach Polen schicken, das reparierte (alte) X-Viole Segel wieder aus Lorient abholen. (typisch französisch ist natürlich nur die Hälfte repariert worden) und dann sollte es für eine erste Testfahrt raus gehen in die Bucht von Quiberon. Draußen endlich wieder in meinem Element fühlte ich mich wohl und richtig am Platz, aber was war das? Also entweder stimmt meine Wahrnehmung nicht mehr oder die Windanlage zeigt viel zu viel Wind an. Bei geschätzten 17 Knoten Wind zeigte die Anlage etwa das Doppelte an. Das war sehr merkwürdig.  Am Ende stellte sich heraus, dass NKE wohl neue Teile in meinen alten Sensor eingebaut hat. Die neuen Sensoren haben andere Wind Paddle um die Windstärke zu messen. Bei mir haben Sie aber ein altes Paddle (so wie vorher) eingebaut aber die neuen Teile. Das hat wohl nun zur Folge, dass ich meinen älteren Windsensor so kalibrieren muss wie die neuen Sensoren, was mit dem alten Paddles eigentlich nicht sein sollte. Egal, am Ende ist es nur eine Initialisierungsfrage, aber das hat mich natürlich mal wieder etwas Nerven gekostet. Das erfreuliche war, dass der Pilot einwandfrei seine Arbeit gemacht hat und so entschied ich mich nach einer kleinen Rund in der Bucht zurück in den Hafen zu segeln.

Routing Mini en Mai
Routing Mini en Mai

Die kommenden 1,5 Tage verbrachte ich damit mich auf die Navigation des 500 Seemeilen langen Kurses vorzubereiten. 60 Kartenausdrucke aus dem Navigationsprogramm ein Laminieren, Wegpunkte setzen, Grib files laden, Routing besprechen und und und. Da geht viel Zeit bei drauf und so war es kein Wunder, dass ich mal wieder bis 1 Uhr nachts vor dem Start gebraucht habe um alles fertig zu bekommen. 2 meiner deutschen Konkurrenten mussten schon vor dem Start einpacken. Lina mit Ihrer Pogo 2 hatte Schulter Probleme und Chris mit seiner Pogo 3 musste aus familiären Gründen schnell nach Hause. Also blieben noch Oliver Tessloff und ich übrig. Jörg Riechers hatte es ja vorgezogen aufgrund der knappen Zeit das Schiff von Tunesien aus nach Spanien zu verlegen und so ging ich dann am Dienstagmorgen voller Erwartungen auf mein Boot und setzte die Segel. Ein Schlauchboot zog mich die ersten Meter aus dem Hafenbecken und dann ging es Richtung Startlinie. Ich schaltete den Autopiloten ein und ging nach vorne um das Gummi der Genua zu lösen und wunderte mich warum das Boot nicht Kurs hält. Als ich nach hinten kam bemerkte ich, dass der Pilot nicht mehr eingeschaltet war. Hmmmm….komisch…..aber naja, wieder eingekuppelt und nach wenigen Sekunden schaltete die Kupplung wieder ab…..So eine Schei….das kann doch nicht wahr sein….wieso läuft der Pilot denn jetzt wieder nicht???? Die Antwort auf diese Frage kann ich zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht sagen und deshalb komme ich auf die Überschrift dieses Artikels zurück….

Mach kaputt was kaputt gehen kann….jetzt ist es an der Zeit dieses Problem ein für alle Male abzustellen. Ich habe dem Elektriker klar gemacht, dass wir eine Endlösung für dieses Problem brauchen und dass ich keine Kompromisse eingehen will. Das kostet natürlich, wie immer, eine Stange Geld…wieviel weiß ich noch nicht, weil hier nach Aufwand abgerechnet wird, aber günstig wird es bestimmt nicht. Bleibt zu hoffen, dass meine Nerven und mein Geldbeutel nicht noch weiter auf das härteste strapaziert werden….

Ein Ergebnis für diese Regatta kann ich aus den oben genannten Gründen leider nicht liefern, denn ohne Autopilot ist an Schlaf nicht zu denken und das ist bei 500 Seemeilen nicht möglich. Zum Glück ist meine ganze Qualifikation bereits durch und so kann ich diese Rückschläge verschmerzen. Für das Transat habe ich dann hoffentlich alle möglichen Probleme einmal durchgespielt und gesehen sofern nicht neue Probleme dazu kommen….aber wahrscheinlich gehört das einfach dazu und man muss da durch…

……die kommende Regatta ist die „Trophé Marié Agnés Peron“, das sogenannte MAP. Für mich wird es der letzte Check vor dem Transat unter Regatta Bedingungen sein. Wenn bei diesem Rennen alles reibungslos läuft mache ich 3 Kreuze. In diesem Sinne….bis bald…Andreas

Mach kaputt was kaputt gehen kann und tausche es aus!!! (Teil 2)

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen…so heißt es ja so schön. Deshalb machte ich mich direkt nach der Zielankunft in La grande Motte an das Abbauen des Bootes um es für den Transport nach Italien vorzubereiten. Dummer weise sind wir alle wegen der Flaute gut einen Tag später im Ziel angekommen und so hatte ich bereits meinen Krantermin am selbigen Tag. Keine Zeit für Schlaf und so begann ich ohne Pause und bereits seit 28 Stunden wach mit den Vorbereitungen des Kranens wie z.B. in den Mast klettern um Windanlage und Windex abbzuauen. Ca. 4 Stunden später stand ich dann am Kran um bei zunehmenden Wind verladen zu werden. Es setzte dann der bekannte Mistral ein den ich bislang immer nur aus Büchern, wie z.B. dem schönen Buch „Atlantikfieber“ meines Freundes Jan Heinze, mit dem ich das nächste Rennen segeln wollte, gelesen hatte. Das der Mistral solch eine Stärke erreichen würde, dass gar eine Farr 40 mit gewiss mehreren Tonnen Gewicht im Kiel direkt vom Hafen Craddle geworfen wurde hätte ich nicht erwartet. Das Boot hatte leider einen Totalschaden. Weitere Bilder auf Anfrage.

Farr 40 droped from craddle
Farr 40 droped from craddle

Die Fahrt nach Italien ist nicht ganz trivial, denn in Italien ist es nicht erlaubt Boote mit Überbreite in Eigenregie zu transportieren. Dafür muss man für „sehr“ viel Geld eine Spedition beauftragen…..oder schwarz fahren….Mein lieb gewonnener Freund Andrea Fornaro der gerade mit seinem brandneuen Prototypen Sideral in „La grande Motte“ seine Jungfernfahrt bestritten hatte erklärte mir, dass es kein Problem wäre in der Nacht durch Italien zu fahren…es würde eh keinen interessieren und man behindert nachts ja keinen. Wir könnten gerne zusammen fahren. Total übermüdet und mittlerweile über 36 Stunden ohne Schlaf überredete ich Ihn noch eine Nacht Schlaf nachzuholen um zum einen der Gefahr aus dem Weg zu gehen das Boot in einer Mistral Boe zu verlieren und zum anderen Leib und Leben wegen totaler Übermüdung zu riskieren.

Eine gute Entscheidung um den Titel dieses Berichtes nicht weitere Beispiele zu liefern. Nach einem fürstlichen Mal in einem der doch sehr guten Restaurants dieses Örtchens ging es am folgenden Morgen Richtung Italien. Mein lieber Andrea entschied sich dann aber an der Grenze zu Italien nicht auf den Einbruch der Nacht warten zu wollen und fuhr direkt weiter. Ganz allein durch Italien wollte ich es nicht versuchen und so fuhren wir weiter in einer Mini Kolonne aus 2 nicht unbedingt unauffälligen Gespannen. Nach ca. 13 Stunden Fahrt und mehr als 800 Kilometern Strecke kamen wir im unfassbar süßen Örtchen Talamone in der südlichen Toskana an. Das Wetter war grandios und die letzten Sonnenstrahlen schienen mir entgegen. Ziemlich kaputt fiel ich in die Koje (welche übrigens für 3 Wochen aus der ausgeklappten Liegefläche meines Audi A6 bestand) und wachte mit den folgenden Sonnenstrahlen des kommenden Morgens auf.Der Kranmeister des Hafens half mir den Mast direkt an Land mit dem Boot auf dem Trailer zu stellen, denn ins Wasser wollte ich noch nicht. Der Start der Regatta war noch 1,5 Wochen hin und ohne Antifouling unter dem Boot ist schnell Bewuchs am Rumpf. Das muss nicht sein. Außerdem wollte ich das Boot so schnell wie möglich fertig bekommen um für 4 Tage nach Hause zu fliegen und endlich meine Familie wieder zu sehen. Außerdem hatte ich Geburtstag und den wollte ich Zuhause verbringen.

Ersatzanlage installiert
Ersatzanlage installiert

Da meine Windanlage ja den Geist aufgegeben hatte, installierte ich kurzer Hand die Ersatzanlage an der selbigen und so sah mein Mini ein wenig aus wie die großen Open 60s der IMOCA Klasse die grundsätzlich mit 2 Anlagen durch die Gegend feuern. Hatte auch was. Für die kommende Regatta „Arcipelago 6.50“ fühlte ich mich gut vorbereitet. Mit der Ersatzwindanlage würde es gehen und außerdem ist es eine  double handed Regatta wo ein Autopilot nicht unbedingt zu 100% von Nöten ist.

Wie war doch diese Aussage sein kann ergab sich während der Regatta als nach mehreren Stunden Fahrt der Autopilot seinen Dienst einstellte bzw. langsam Stück für Stück immer weniger arbeiten wollte. Irgendwann am folgenden Morgen ließ er sich gar nicht mehr einkuppeln und gab die Fehlermeldung Low Power. Das war allerdings recht komisch, denn die Batterien waren vollgeladen und standen noch gut im Saft. „Wieso läuft der Autopilot denn nun nicht mehr und wieso sollen die Batterien zu wenig Spannung haben“, das hatte ich in dem Moment gedacht und wie sich am Ende nach der Fehlerdiagnose heraus stellte war es ein mittlerweile veraltetes Kabel welches die Spannung für den Piloten nicht mehr konstant halten konnte. Zum Glück also keine große Reparatur, denn der Autopilot ist neben der Windanlage ja ein weiterer extrem teurer Ausrüstungsgegenstand in meinem Boot. Leider leider, aber in Teil 3 dieses Berichtes muss ich dieses Thema noch einmal aufnehmen.

Arcipelago
Arcipelago

Was die Regatta anging war es in der Tat fast ein Spiegelbild zur Regatta in „La grande Motte“. Erst war kurz Wind, dann kam die Flaute (nur war Sie in dieser Regatta nicht 10 Stunden, sondern gut 24 Stunden lang) und am Ende kam nicht der Mistral, sondern der Scirocco. Ein Fallwind der von den Bergen der vielen großen Inseln die jeweils einen riesigen Berg beherbergen herunter schießt. In unserem Fall kam er von Elba herunter geschossen. Gerade als ich zu Beginn der zweiten Nacht ein Nickerchen machen wollte, weil mich die Flaute sowas von angekotzt hat, dass ich es nicht mehr ertragen konnte, ging der Wind innerhalb von 2 Minuten von 0 Knoten auf etwa 30 Knoten hoch. Ohne Ölzeug angehabt zu haben ging es nach draußen um schnell 2 Reffs in das Großsegel einzuziehen. Auch Jan (mein Co-Skipper) wurde völlig überrascht und musste in seinen leichten Klamotten ausharren. Nach einiger Zeit entspannte sich die Situation aber und so pendelte sich der Wind bei etwa 15-22 Knoten ein. Die Restlichen Stunden bis ins Ziel vergingen dann recht schnell und so liefen wir zur Mittagszeit des dritten Segeltages als 9. Von 16. Serienbooten über die Ziellinie. Auch nicht gerade ein berauschendes Ergebnis, aber ich muss mir auch ganz klar eingestehen, dass Flauten Segeln noch nie meine Spezialität war und die Nacira ebenfalls nicht für dieses Windband konstruiert wurde. Mit dem Ergebnis muss ich also zufrieden sein. Dennoch ist es so, dass ich auch auf der zweiten Regatta diesen Jahres einen technischen Defekt hatte den es abzustellen gilt, denn auf dem Transat können technische Defekte zu einem echten Problem werden. Schließlich ist da kein Hafen in der Nähe den man mal schnell anlaufen kann.

Mach kaputt was kaputt gehen kann und tausche es aus!!! (Teil 1)

So oder so ähnlich kommt es mir vor wenn ich an die letzten 3 Regatten denke. Angefangen hat es dieses Jahr, zum ersten Mal, im Mittelmeer im beschaulichen Örtchen „La grande Motte“. Allein die 1500 Kilometer Anfahrt sind wie auch nach Lorient (1400 Km) immer eine anstrengende und kostspielige Angelegenheit. Allein was an Sprit und Mautgebühren anfällt ist immer wieder abenteuerlich. Dieses Mal sind mir auf der Hinfahrt 2 Wantenspanner mit denen der Mast am Schiff verstagt wird verloren gegangen. Eigentlich hab ich die immer fest gedreht und einen Segelsack als Auffangsicherung über den Mast gezogen. Nach vielen Tausenden von Kilometern ist dieser aber auch nicht mehr ganz im besten Zustand, sodass die Wantenspanner wohl irgendwie auf der Autobahn ins Jenseits geflogen sind. Genau die passenden Spanner im Segelshop um die Ecke zu bekommen hört sich zwar trivial an, ist es aber nicht, denn auch für dieses Ersatzteil gibt es zig Hersteller und so mussten Sie erst einmal bestellt werden. Meinen Mast konnte ich also noch nicht stellen und so begann ich mit den Vorbereitungen für die Regatta.

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La grande Motte ist so ein typischer Touristen Ort mit Bettenhochburgen und Restaurants an jeder Ecke, der Segelclub ebenfalls ein typischer Mittelmeer Club, direkt am Strand mit viel Fensterfront und einer chilligen Sofa Ecke, quer durch den Clubraum. Dafür ist hier Ende Februar aber auch schon feinster Frühling und sogar die kurzen Hosen konnten zeitweise ausgepackt werden. Was ein Segen wenn man aus dem winterlichen Hamburg zum Frühlingssegeln nach Süd Frankreich fahren kann. Anfang März startete also die erste Mini Regatta dieser Saison die auch zugleich meine Qualifikation für das Mini Transat abschließen sollte, denn im Jahr des Mini Transat muss mindestens eine Mini Regatta vorher gesegelt und beendet worden sein, ansonsten gibt es keine Startberechtigung.

Mini 819 new Brand
Mini 819 new Brand

Für mich war diese Regatta also irgendwie auch ein Pflichtprogramm obgleich natürlich genügend weitere Regatten dieses Jahr als Option möglich gewesen wären. Aber der frühe Vogel fängt ja bekanntlich den erwünschten Wurm und so war es dann auch bei mir. Ich beendete die Regatta als 8. von insgesamt 9 Serienbooten was ganz bestimmt nicht meinem Anspruch an ein Regattaergebnis entspricht, aber gemäß der obigen Überschrift lässt sich erahnen, dass die Regatta nicht nach Plan verlaufen ist. Am Ende würde ich sagen war ein großer taktischer Fehler maßgebend für das Ergebnis, denn die einsetzende Flaute auf der rechten Seite des Regattakurses hatte ich nicht kommen sehen und so war ich mit 2 weiteren Serien Minis von jetzt auf gleich im völligen Stillstand. Der Rest des Feldes, der anscheinend besser vorbereitet und wahrscheinlich auch mit den entsprechenden Revierkenntnissen ausgestattet war verabschiedete sich und war nicht mehr gesehen. Zwischenzeitlich als letzter im Feld gelang es mir bei Einsetzen des Windes, welcher dann auch von jetzt auf gleich mit 30 Knoten + aufkam, wenigstens einen Proto und ein Serien Mini zu überholen. Leider passierte dann das was auf einem Mini nach Möglichkeit nicht passieren sollte…meine Windanlage die für den Autopiloten so wichtig ist, wie für einen Motor der Sprit, gab ihren Geist auf und sendete keine Daten mehr. Ich versuchte noch an Bord die Steckverbindungen zu überprüfen, aber es kam einfach nichts mehr von oben an. Die Ersatzwindanlage die ich für solche Fälle an einer Carbon Stange am Heck befestigen kann hatte ich sinnvollerweise vor der Regatta ausgestaut weil ich davon ausging, dass auf einer 100 Seemeilen kurzen Sprint Strecke alles Gewicht was zu viel sein könnte von Bord muss. Was hab ich mich geärgert genau dieses Teil von Bord zu nehmen. Es hätte mir den Weg zurück, der natürlich unter Volldampf mit Medium Spi und Vollwaschgang im Cockpit ablief, sehr erleichtert. So fuhr ich nur noch nach Kompass Modus was bei drehenden Winden recht anstrengend sein kann. Egal, am Ende war ich froh meine Qualifikation beendet zu haben. Das Rennen war in der Tat eine der anstrengendsten Regatten  die ich bislang gesegelt hatte, obwohl Sie nur 100 Seemeilen lang war. Zu dem Flauten Pech mit Psychostress kam Starkwind mit technischen Problemen.

Custom Carbo Wing
Custom Carbo Wing

Mache kaputt was kaputt gehen kann.

Im Prinzip war das genau mein Motto für diese Saison, den alles was ich vor dem Transat kaputt mache, das sollte auf dem Transat heil und in einem guten Zustand sein. Hoffentlich jedenfalls J Dennoch, eines der teuersten Teile an Bord, der Windsensor kostet neu ca. 1800 €, sollte nach Möglichkeit nicht kaputt gehen. Meine Hoffnung lag darin, dass sich lediglich eine Lötstelle im Sensor gelockert hat und man diese nur neu verlöten müsse. Aber wie an diese Stelle ran kommen? Und wo ist das Kabel überhaupt an den Sensor gelötet? Oder ist es gar nicht gelötet? Der Windsensor ist ein custom Made Teil welches Simon Koster zusammen mit Freunden beim Transat 2013 in Eigenregie zusammen gebaut hat. Damals wohl als „never open again“ Version konzipiert hat sich keiner darüber Gedanken gemacht wie man den jemals wieder öffnen soll. NKE, die Firma die diese Sensoren herstellt mag es gar nicht, wenn Ihre Produkte in selfmade Manier verändert werden und so war auch klar, dass ich eine Lösung finden muss, das Teil anderweitig repariert zu bekomme. Ich hatte schon des Öfteren mitbekommen, das NKE einen wieder weg schickt uns solche Custom Made Lösungen nicht reparieren will.

Die Endlösung war dann den Dremel zu nehmen und den Sensor vom Carbon Wing abzutrennen. Keine wirklich sanfte Lösung….aber dazu später mehr in Teil 3 🙂

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Interview auf Active Outside

Ein sehr ausführliches Interview über mich und meine Transat Kampagne….meine up´s und down´s und Gedanken über alles rund um die Kampagne…..vielen Dank an Hubert Hell für das Übersetzen.

go to the Interview

A very nice interview about me and my campaign….written at the blog Active Outside….it is very detailed and explains my thoughts about the up´s and down´s…lots of thanks to Hubert hell to translate it…

Simarine steigt mit ein !!!

Simarine.net steigt mit ein in mein Projekt Mini Transat 2017 und unterstützt mich mit innovativer Hardware für ein perfektes Energiemanagement.

Bereits für das kommende Rennen „Mini en Mai 2017“ werde ich den neuen Pico von Simarine testen können.

Ich freue mich sehr über diese tolle Unterstützung und bin gespannt wie der Energieverbrauch auf meinem Boot über die kommenden 500 Seemeilen in der Bretagne verläuft und wie ich den Energiehaushalt in Zukunft verbessern und managen kann.

Voller Vorfreude geht es Anfang Mai nach „La Trinite sur Mer“

 

I would like to present my new sponsor Simarine.net

The Company will support my Mini Transat Campaign with innovative energy hardware that can show you the real time battery status and consumption. The Pico will help to improve my battery management and can show a lot of helpful informations. It wil be onboard the next Race „Mini en Mai“ that will start from „La Trinite sur Mer“  (500 nautical Miles across the bay of Biscay. I am really happy and excited to use it.

Cheers Andreas

Messe boot Düsseldorf

Am Samstag den 28.01. und Sonntag den 29.01.2017 wurde ich von der Messe boot Düsseldorf eingeladen etwas über mein Projekt Mini Transat 2017 zu erzählen. Es fand im Rahmen eines Interviews, zusammen mit meiner Konkurrentin Lina Rixgens, statt.

Messe boot 2

Es hat sehr viel Spaß gemacht, das Publikum war super und anhand des Beifalls war zu erkennen, dass großes Interesse und entsprechende Faszination an dieser Regatta besteht.

Weitere Vorträge werden bestimmt folgen. Nun geht es aber zunächst an die letzten Vorbereitungen und Reparaturen am Boot.

Abfahrt Süd Frankreich ist am 25.02.2017!!! Im Gepäck sind dann die neuesten Schnitte meines Sponsors Narwal Narwal Sails

Final Countdown

Es ist so weit…2017 das Jahr des Mini Transat beginnt. 3 Jahre Vorbereitungszeit münden nun in den krönenden Abschluss. Die Atlantik Überquerung in einem 6.50 kleinen Renner, ganz allein, ohne externe Hilfe, kein Kontakt zur Außenwelt, kein Satellitentelefon, keine moderne Navigation, back to the roots sozusagen.

Letzte Reparaturen und Vorbereitungen werden nun mit tatkräftiger Unterstützung der Yachtwerft Heiligenhafen erledigt, sodass es bereits Ende Februar losgehen kann. Zunächst geht es nach Süd Frankreich ins Mittelmeer zur ersten Einhandregatta des Jahres in „La grande Motte“, bis es kurz darauf zu einem double handed Rennen nach Talamone (Italien) geht. Anschließend wird das Boot wieder in die Bretagne verlegt wo es im Mai von „la trinite sur Mer“ aus zur 500 Seemeilen Regatta „Mini en Mai“ geht. Im Juni folgt das legendäre Mini Fastnet Race von Douarnenez aus einmal rund um den Fastnet Felsen und zurück bevor das Boot für das endgültige Finish, das Mini Transat 2017 (4000 Seemeilen) von La Rochelle über Gran Canaria bis nach Le Marin (Martinique) vorbereitet wird.

Vielen Dank an meine Sponsoren und Unterstützer ohne die das ganze Projekt nicht durchführbar gewesen wäre.

Regatta – Pornichet Select 2016

Pornichet Select 2016 – 300 Seemeilen Sprint Race

Im April war es wieder soweit. Die neue Saison begann und mit einem komplett neuen Satz Segel meines Sponsors „Narwal Sails“

Neuer Satz Segel
Neuer Satz Segel

aus Danzig ging es in die Bretagne um die dritte Saison meiner Mini Kampagne zu beginnen. Auch Morten Bogacki wollte runter in die Bretagne und so trafen wir uns nahe Köln auf der Autobahn und tingelten gemeinsam die lange Fahrt nach Lorient hinunter.

Angekommen in Lorient organisierte ich einen Elektriker der mir bei meinen diversen Veränderungen, die ich für die Elektrik geplant hatte, behilflich sein sollte. Gesagt getan hatte ich einen Tag später einen netten Franzosen namens Julien auf meinem Boot sitzen. Julien gab sich allerdings nicht damit zufrieden meine Wünsche in die Tat umzusetzen, sondern er hatte den Anspruch auch aus mir einen besseren Elektriker zu machen. Seine Worte waren in etwa: „if you are alone at the Atlantic ocean…you have to help yourself….i cannot come and help you….so you need to know what we are doing now“.

Julien
Julien

Wie Recht er doch hatte. Aber Elektrik war bislang nicht unbedingt meine Stärke. Ich nahm sein Angebot gerne an und so zog sich die Installation zwar etwas in die Länge, aber sie wurde gut und das war ja das Ziel. Julien hatte damals im Team von Jörg Riechers gearbeitet und seit der Aufgabe des Teams hilft er aus wo er kann. Auch kein einfaches Leben.

Kabelsalat
Kabelsalat

Umso mehr war ich begeistert von seiner Gastfreundschaft. Ich bekam das Angebot bei ihm zu wohnen wann immer ich wolle. Er wohnte in einer Segler WG, nur seine Freundin war Fotografin und so war es üblich, dass die Gäste immer an gleicher Stelle der Wohnung ein Portrait in Polaroid machen mussten. Ja so etwas gibt es noch in Frankreich. Es war sehr lustig und beeindruckend wer alles schon in dieser Wohnung nächtigen durfte 🙂 Es war so ein typischer Abend in Frankreich von dem die Segler alle erzählen aber von denen man immer nur gehört hatte und nie mit dabei war. Einfach ein cooles Erlebnis.

Freunde
Freunde

In Pornichet angekommen hieß es erst einmal Mast stellen und die neuen Segel testen. Morten war dafür die ideale Begleitung und so verbrachten wir den ganzen Tag mit Segel einstellen und fotografieren der einzelnen Profile um Änderungswünsche direkt nach Polen weiter zu reichen. Für die erste Regatta musste aber der erste Schnitt reichen und so startete ich am Samstag den 30.04.2016 das Pornichet Select.

 4 deutsche Teilnehmer waren eingeschrieben: Lina Rixgens, Oliver Tessloff, Michael Zerr und ich. Ziemlich nervös ging ich morgens an Bord. Irgendwie hatten mich die ganze Vorbereitung im Winter und die Tage vor der Regatta ziemlich geschafft. Nie zuvor war ich vor einer Regatta so aufgeregt. Ich fühlte mich schlecht vorbereitet, die Navigation hatte ich erst am Abend und in der Nacht vorher fertig bekommen, die Segel waren noch nicht perfekt, das GPS war neu und die Menüführung war komplett anders als das Alte. Ich war spät dran mit dem Auslaufen, musste vor dem Start noch in die Stadt Joggen weil ich meine Sonnencreme nicht mehr finden konnte (Aufregung) und und und….kurz vor dem Start fuhr mir dann noch mein Freund Sander van Doorn mit seiner Pogo 3 ohne Wegerecht quer ins Schiff. Ich dachte, jetzt ist es aus. Das gibt ein riesiges Loch. Aber anscheinend sind die Minis doch viel stabiler als gedacht. Es war kein Kratzer, keine Beule, kein Schaden zu erkennen. Nicht mal Haarrisse konnte ich im Nachhinein feststellen. Entweder lag es an der guten Konstruktion der Nacira oder an dem stumpfen Bug der Pogo 3. Egal, 2 Minuten vor dem Start war das ein ziemlicher Schock. Der Start selbst lief dann aber dennoch gut und so startete ich auf der Mitte der Linie raus aus der Bucht von Pornichet. Es ging zunächst um eine Verholtonne und dann aus der Bucht heraus in Richtung Quiberon. Der Wind wehte frisch mit etwa 20 Knoten und so segelten die meisten mit einem Reff im Groß und teilweise auch einem Reff im Solent. Die erste richtige Wendemarke war dann der Leuchtturm Birvideaux doch bis dahin waren es etwa 40 Seemeilen Kreuz. Mein Solent entwickelte eine gute Höhe und so war ich mit meiner Performance auf der Kreuz sehr zufrieden. Leider haben die Pogo3 und Ofcet mittlerweile die richtigen Einstellungen gefunden und so ist es nahezu unmöglich mit dem Nacira Design an die Performance der neuen Boote heran zu kommen. Im Winter scheint es massenhaft neue Boote gebaut zu haben, denn am Start waren 19 Boote vom Typ Pogo3 oder Ofcet. Die eigenen Erwartungen an eine Top 10 Platzierung in diesem Feld muss ich wohl leider nach unten korrigieren, aber immerhin waren auch einige der anderen Naciras  am Start, sodass ich mir eigene Gegner suchen konnte. Die Kreuz war extrem anstrengend, denn dicht unter Land fahrend waren viele Wenden nötig und das gesamte Material wollte vor jeder Wende immer wieder auf die neue Luv Seite gestaut werden. Das ist bei ruppiger Welle und frischem Wind eine echt anstrengende und für den Magen nicht ganz einfache Aufgabe. Mal davon abgesehen, dass es immer wieder aufregend ist in einem engend Feld für die Zeit des um Stauens unter Deck zu gehen und dem Autopiloten das Feld und den Ausguck zu überlassen.

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Gegen 24 Uhr war die Wendemarke Birvideaux erreicht und ich war echt froh darüber. Mittlerweile war es dunkel und das war auch gut so, denn einen riesigen Leuchtturm als Wendemarke im Atlantikschwell zu wählen ist typisch Classe Mini aber für ein 6.50 M langes Boot doch ziemlich spannend. Das zeigte sich auch für den Mini Segler Nick Joyce der direkt in der Nähe des Leuchtturms ein Fischernetz mit seinem Kiel einfing. Das Boot stoppte auf und trieb langsam in Richtung Leuchtturm. Nick ließ seine Segel fallen und sprang, gesichert mit einer Leine und bewaffnet mit einem Messer, in den Atlantik um sich aus dieser gefährlichen Lage zu befreien. Wie gesagt, es war stock dunkel. Er war danach so kaputt und unterkühlt, dass er erst lange Zeit danach seinen Spi setzte um wieder im Race Mode weiter zu fahren. Ja, man muss beim Mini segeln ein wenig Wahnsinnig sein. Ich setzte ab dem Leuchtturm meinen Medium Spi und glitt mit 8-10 Knoten Fahrt in Richtung Belle Ile. Die Nacht nutzte ich um Schlaf zu bekommen. Der Autopilot steuerte mich auf einem sicheren Kurs entlang der Belle ile und weiter Richtung Ile de Yeu. Nach einigen Schlafphasen von jeweils 30 Minuten entschied ich mich zu einer Halse. Leider nahm der Wind immer weiter ab und so war es noch ein sehr langer und beschwerlicher Weg zur nächsten Wendemarke Les Sable D´Olonne. Als es wieder hell wurde war weder ein Konkurrent mit dem Auge, noch mit dem AIS zu sehen. Das kann ganz schön beunruhigend sein, denn auf Regatta sind die Konkurrenten um einen herum doch auch immer der Gradmesser für den eigenen Speed.  So  verholte ich mich wieder in Richtung des vermuteten Feldes um Sicherheit zu gewinnen. Im Nachhinein hätte ich wahrscheinlich einfach weiter Tiefe fahren sollen und so einen direkteren Weg nach Les Sable fahren können. Aber gut, so ist es nun mal im Regattasport. Die Psyche spielt gehörig mit!

Der Track
Der Track

Am Abend erreichte ich Les Sable und das war dann auch der südlichste Punkt der Strecke. Ab da war die Prognose auf etwa 100 Seemeilen Kreuz bis zur Ile de Groix. Nicht unbedingt der Kurs der auf einem Mini richtig Spaß macht. In der Nacht verschwand der Wind komplett, etwa 3-4 Stunden Flaute zerrten an den Nerven. Das Boot trieb teilweise etwas rückwärts was ich natürlich gerne vermeiden wollte. Aber bei einer Tiefe von gut 100 Metern muss man sich über Ankern nicht wirklich Gedanken machen. In der Flaute treibend versuchte ich alles um zumindest ein wenig Fahrt ins Boot zu bekommen. Die anderen Minis in meiner Nähe verrieten mir, dass ich im Treiben gar nicht so schlecht bin. Gut für Geist und Stimmung versuchte ich noch ein wenig zu schlafen bis der hoffentlich erwartete Wind wieder einsetzte. Gegen Sonnenaufgang kam dieser mit ganz kleinen Schritten zurück. Er drehte weiter nach links als erwartet und so wurde es ein Anlieger an der Ile de Yeu, Belle Ile und Ile de Groix (höhe Lorient) entlang. Groix erreichte ich am Montagabend gegen 23 Uhr. Ab da hieß es noch die letzten ca. 70 Meilen Richtung Ziel (Pornichet) abzuhaken. 70 Meilen können schnell gehen oder dauern. In meinem Fall kam der Wind genau achterlich und ich freundete mich so langsam mit vielen nächtlichen Halsen an als der Wind ein Einsehen bekam und etwas vorlicher einfiel. So schaffte ich es mit einem Windwinkel von etwa 160 Grad TWA (wahrer Windwinkel) den direktesten Weg entlang der Küste von Quiberon und auf der anderen Seite der Belle Ile entlang zu heizen. Der Wind frischte auf 20 Knoten auf, kam im Verlauf der dritten Nacht noch etwas vorlicher und so knallte ich mit konstant über 10 Knoten, in Spitzen bis 14 Knoten Fahrt in Richtung Ziel. In solchen Nächten macht sich bezahlt wer einen guten Autopiloten hat. Ohne Sicht (wieder eine rabenschwarze Nacht) und mit ordentlich Druck von hinten überließ ich das Steuern meinem zweiten Mann an Bord namens NKE. Ich degradierte mich zum Spi Trimmer und so teilten wir uns die Aufgaben mit Bravur. NKE lufte an und fiel ab in den Böen, ich fierte und trimmte den Spi. Es war ein stetiger Wechsel, so als wenn ein erfahrener Steuermann an der Pinne stand. Ich war schwer begeistert, denn dass diese Symbiose aus Maschine und Mensch so gut funktionierte hatte ich nicht erwartet. Es war der sprichwörtliche Ritt auf Messers Schneide. Der Wind kam mit etwa 15-20 Knoten, manchmal auch darunter und der Windwinkel änderte sich bis auf 120 Grad TWA. Das Großsegel hätte ich gerne gerefft, aber das hieße Spi wegnehmen, Groß reffen, Spi wieder setzen. Der Winkel war zu spitz um die Arbeit dem Piloten komplett zu überlassen. Eine weitere Alternative wäre gewesen einen kleineren Spi zu setzen, aber aus meiner Erfahrung heraus wusste ich, dass dann zu wenig Power für einen guten Durchschnittsspeed vorhanden wäre. Insgesamt hatten mir beide Alternativen nicht gefallen und so entschied ich mich das Großsegel ganz zu öffnen, den Baumniederholer aus der Hand zu fahren und so den Rest bis zum Ziel zu fahren.

Die letzten 15 Meilen war der Kurs zu spitz für den Spi und so fuhr ich mit Groß und Genua dem Sonnenaufgang entgegen. Um 06:15 Uhr am Dienstagmorgen überquerte ich, erschöpft von der letzten Nach, (fast ohne Schlaf) die Ziellinie. Ein Begleitboot des Veranstalters schleppte mich in den Hafen und ich begab mich in das Wettfahrtbüro um meine Ankunft auch schriftlich zu untermauern. Alle waren freundlich und genauso freundlich überbrachte mir der Wettfahrtleiter, dass gegen mich und diverse andere ein Protest der Wettfahrtleitung vorliegt. In der ersten Nacht gab es einen Notruf des Mini 814 und kaum ein Mini in seiner Nähe hätte darauf reagiert. Die französische Küstenwache hatte daraufhin dem Veranstalter einen gehörigen Einlauf verpasst und als Exempel sollte nun ein Protest gegen die Minis in der Nähe statuiert werden. Die Protestverhandlung war für 15 Uhr angesetzt. Ich war nahezu der letzte Skipper der zur Anhörung gerufen wurde, das war um etwa 19 Uhr. Unverständliche 4 Stunden durfte ich Gewehr bei Fuß vor dem Jury Office warten um ca. 5 Minuten auf Englisch zu erklären, dass ich kein Wort Französisch verstehe. Abgesehen davon, dass ich zu der Zeit des Notrufes geschlafen hatte war der komplette Funkverkehr in Französisch. Ich machte deutlich, dass nach den internationalen radio regulations der Notverkehr in Englisch zu führen ist, aber was rede ich mir den Mund fusselig, der Franzose wird in seinem eigenen Land einen Teufel tun und in Englisch einen Notruf absenden. Ende gut, alles gut, die Jury akzeptierte meine Erklärung und verschonte mich als einzigen von einer 2 stündigen Zeitstrafe.

Pornichet
Pornichet

Als 23. von 50 Serienschiffen erreichte ich nach 2 Tagen, 17 Stunden, 01 Minute und 57 Sekunden das Ziel. Für mich als Regattasegler mit dem Anspruch immer vorne mit zu segeln fällt das Ergebnis bei erster Betrachtung nicht so gut aus. Wenn man aber auf die Liste schaut, dann sieht man 15 Boote der neuesten Generation (Pogo 3 und Ofcet) und nur 7 von der Performance vergleichbare Boote wie z.B. Argo, Pogo 2 oder Tip Top. Wenn man das mit einrechnet, könnte man sagen es wäre ein 8. Platz gewesen mit dem ich sehr zufrieden sein kann. 2 Boote der neuesten Generation waren hinter mir ins Ziel gekommen und so fällt mein Fazit durchaus positiv aus. Die Classe Mini ist eben keine Einheitsklasse, dass darf man nicht vergessen. Es ist eine Konstruktionsklasse mit einer sogenannten „BOX Rule“. Alle Boote müssen in gewisse Abmessungen (z.B. 6.50 lang und max. 3 Meter breit etc.) passen. Das restliche Design ist frei und führt selbstverständlich zu unterschiedlichen Performances. Es wird also immer auch eine sogenannte inoffizielle Wertung der Boote der älteren Generation geben. Vielleicht ja sogar auch einmal offiziell, denn wenn man sich die Performance der neuen Boote anschaut, wie Sie mittlerweile sogar ganz vorne im Proto Feld mitfahren, dann bekommt man ganz schön große Augen. Zumindest wenn man es aus der Brille eines Wettkämpfers sieht.

Abschließend muss man leider neidvoll anerkennen, dass die neuesten Boote vom Typ Pogo 3 und Ofcet ein gutes Stück schneller sind und das eine Teilnahme am Transat im kommenden Jahr aus sportlicher Sicht eine echte Herausforderung werden wird. Unter normalen Umständen sind diese Boote leider nicht zu schlagen und so müssen wohl mindestens die ersten 20 Plätze auf der Ergebnisliste diesen Booten vorbehalten sein. Schade für mich der sich 2013 für das damals aktuellste Design entschieden hat, gut für diejenigen, die erst 2015 oder 2016 ein neues Boot oder eine vom Transat zurückgekehrte Pogo 3 oder Ofcet gekauft haben. Wenn man es aus der Budget Sicht sieht wäre ein so neues Boot aber für mich ohnehin nicht machbar gewesen, ein Pogo 3 Projekt hätte locker nochmal 50.000 € extra verschlungen und so muss ich mich einfach damit abfinden die Ergebnislisten etwas differenzierter zu betrachten.

Trotzdem soll man niemals nie sagen und gerade auf dem Transat im kommenden Jahr kann alles passieren. Auch eine vermeintlich langsamere Nacira kann da mit etwas Glück gute Akzente setzen. Das wird mein neues Ziel für das Transat sein. Das Beste aus mir und dem Boot herausholen und in Anbetracht der neuen Gegebenheiten ein gutes Ergebnis einfahren.

Andreas