Bericht Mini en Mai 2015

 

Mini en Mai 2015…..meine erste Mini solo Regatta!!! 500 Seemeilen quer durch die Biskaya.
Wo soll ich anfangen, es gibt so viel zu erzählen, angefangen bei einer Anreise die zum Abgewöhnen war und noch lange nicht aufgehört bei traumhaften Segel Bedingungen vor La Rochelle bei Sonnenschein und warmen Temperaturen.

Die Anreise war einfach schlecht durchdacht. Lorient ist halt nicht Paris, es gibt keinen Direktflug, also muss man sich irgendetwas ausdenken um einigermaßen Sinnvoll dahin zu kommen. Abschließend muss ich sagen, dass ich das Ziel klar verfehlt habe. Ich habe einen Direktflug von Berlin nach Nantes gefunden, von da aus sind es nur noch 100-150km nach Lorient. Mit dem Bus geht es von Hamburg für 10€ in 3,5 Stunden nach Berlin, von da aus dann mit dem Flieger nach Nantes, der geht allerdings so spät, dass in Nantes schon alle Kantsteine hochgeklappt werden. Nix mehr mit Weiterfahrt nach Lorient. Also entweder schlafen auf der Bank oder Hotelzimmer. Ich hab mich für zweites Entschieden und gut geschlafen. Am nächsten Morgen dann mit dem Shuttle-Bus in die Stadt zum Bahnhof und von da aus mit dem Zug nach Lorient. Dann noch schnell mit dem Taxi zum Hafen und gut 22 Stunden nach Abfahrt war ich da. Eines hab ich mir geschworen, das nächste Mal bin ich cleverer. Dumm nur, dass ich die Flüge für dieses Jahr im Voraus gebucht habe, weil die ja so günstig waren 🙂
Nun gut der Nörgelei. Das Tolle an Lorient ist, dass diese Stadt, bzw. der Hafen und seine Menschen dort zu 100% auf Regattasegler eigestellt sind und diese auch sehr willkommen sind. Hier wirst Du nicht schief angeschaut wenn Du mit voller Besegelung in den Hafen rein knallst und Du bekommst wirklich alles für Dein Boot in unmittelbarer Nähe. Vom Yachtausrüster zum Segelmacher, Elektroniker oder Dryfood Shop, einfach alles was das Herz begehrt. Noch besser, Du kommst an und Dein Boot liegt schon wieder segelfertig im Hafenbecken und wartet auf Dich um zu segeln. Der Kranmeister bekommt eine E-Mail, wann Du wieder im Wasser sein willst und dann holt er Dein Boot mit dem Trailer vom Landplatz zum Kran, krant Deinen Dampfer ein und legt das Boot auf einen Liegeplatz, einfach geil. Das kostet natürlich, aber wenn man überlegt, dass man ein ganzes Jahr sowohl an Land, als auch im Wasser liegen kann, so oft Kranen kann wie man will und sämtliche Annehmlichkeiten hat, wie Strom, Waschplatz, Strom am Landliegeplatz, auch dort Frischwasser zum Reinigen des Bootes, Eine Box zum Aufbewahren von Material, Flächen zum Trocknen der Segel usw. usw. dann sind 2000€ für ein ganzes Jahr gar nicht so schlecht, zumal hier auch im Winter gesegelt wird. Wie ich finde….echt cool.

Eigentlich wollte ich gleich aufbrechen um zum Starthafen der Regatta „La Trinte sur Mer“ zu fahren, da Chris Lückermann der zweite von 3 Deutschen die an der Regatta teilnehmen wollten aber noch nicht da war und wir gemeinsam vor hatten zu fahren (macht ja mehr Spaß) wollte ich warten. Leider verzögerte sich seine Anreise weiter und so fuhr ich dann am Mittwoch den 29.04. nach La Trinite. Im Prinzip hätte ich auch noch länger warten können aber Mini Regatten sind etwas anders als die Regatten die wir so kennen in Norddeutschland. Es gibt eine strikte Anwesenheitspflicht ab einem gewissen Datum (bei dieser Regatta war es der 30.04.) und wer dann noch nicht da ist muss Strafe zahlen und zwar nicht zu knapp. Also heißt es rechtzeitig da sein, sonst wird das ohnehin kostspielige Abenteuer Mini segeln nur noch unnötig teurer. Warum gibt es eigentlich diese Anwesenheitspflicht? Ganz einfach, der Veranstalter kontrolliert bis aufs kleinste Detail jedes einzelne Schiff auf Vollständigkeit der Sicherheitsausrüstung und Regelkonformität. Zusätzlich gibt es Meetings mit Sponsoren und Briefings über den Kurs etc. Die Anwesenheit wird dann über eine Unterschriftenliste kontrolliert. Das klingt auf den ersten Blick ziemlich übertrieben, wenn man diese Prozedur aber einmal mitgemacht hat erkennt man den Sinn des Ganzen. Minis segeln auf dem offenen Ozean und da geht es mitunter recht ernst zur Sache. Das ist gefährlich oder kann es zumindest sein. Die Boote müssen äußerst umfangreich mit Sicherheitsausrüstung ausgestattet sein und es wird darüber hinaus natürlich auch jedes Verfallbarkeitsdatum der Ausrüstung kontrolliert. Selbstverständlich muss auch die Rettungsinsel einen aktuellen Service haben und und und. (Siehe PDF Security)
Security

Das ganze Prozedere dauert etwa 1- 1,5 Stunden pro Boot, wenn alles da ist, griffbereit und nichts fehlt. Bei 60-80 Booten kommen da dann ein paar Tage Security Check zusammen. Zusätzlich werden einige Boote, die grundlegend verändert wurden oder neu sind, wie z.B. die Pogo3

Pogo 3 (c) Alternative Sailing
Pogo 3 (c) Alternative Sailing

grundlegend vermessen. Hierfür gibt es einen festangestellten Chef Vermesser der Klasse der einen ziemlich ernsten Blick drauf hat und bei dem es einem einen gehörigen Respekt einflößt, wenn der auf dein Boot geht und checkt ob alles so stimmt oder z.B. die Rettungsinsel verplombt, da diese nicht, außer im Notfall, bewegt werden darf. Wenn er sich einen Spaß machen will, dann testet er ob Du es schaffst Deine Rettungsinsel innerhalb von 15 Sekunden aus der Rettungsluke heraus zu hieven, keine Ahnung was passiert, wenn Du es nicht schaffst, ich durfte im April bei der ersten Regatta gleich ran. Die Rookies hat er wohl gleich im Blick. Hat aber zum Glück gepasst.

Start Race A
Start Race A

Der Eigentliche Start sollte dann am Montag sein. Leider entwickelte sich ein ordentliches Nordatlantik Tief

Nordatlantik Tief
Nordatlantik Tief

welches direkt auf die Biskaya zuhielt. Ankommen sollte es am Dienstagmorgen, also genau dann wenn wir so richtig auf dem Wasser sind und eine schwierige Passage, den sogenannten „Raz de Seine“ passieren sollten. Wer sich mal einen Eindruck verschaffen will, der guckt auf YouTube ein paar Videos davon an. Der Wettfahrtleiter (selbst ein großer Mini Segler „Yves le Blevec“) hat sich dann dazu entschieden das Rennen in 2 Teile aufzuteilen. Am Montag sollten wir ein 40 Seemeilen Sprint Rennen segeln und dann am Dienstag im Hafen den Sturm abwettern. Das war eine sehr weise Entscheidung, denn geblasen hat es ordentlich und am Ende sollen alle safe nach Hause kommen, das war der Wettfahrtleitung wichtig.

 Das Sprintrennen am Montag (Race A) war sehr spannend.
Es ging zunächst mit einem Anlieger raus aus der Bucht von Quiberon um dann für eine kurze Strecke abfallen zu können. Klar, dass die ganzen Cracks also gleich einen Vorsegel Wechsel vorbereitet hatten und auf den Code 0 (großes Vorsegel welches am Gennackerbaum gefahren wird) gewechselt haben. Da ich verhalten gestartet war konnte ich mir das gut anschauen und tat gleiches. Vom einholen des Code 0 gab es auch ein sehr schönes Foto vom Race Fotografen (Siehe Titelbild). Anschließen ging es wieder hoch an den Wind bis zur Insel Belle Ile und von da aus für ca. 10-15 Seemeilen auf eine harte Kreuz. Der wind nahm zu auf über 20 Knoten zu und so zog ich ein Reff ins Groß. Anschließend hatte ich allerdings das Gefühl, das es schlechter lief als vorher, aber das lag wohl daran, dass ich einfach noch nicht den richtigen Dreh für diese Bedingungen raus hatte und so wie ich glaube, auch ein wenig zu tief gefahren bin. Als wir dann nach der Kreuz um den schon einigermaßen imposanten Leuchtturm Grand Cardinaux
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herum gefahren sind (die Welle kam von überall) ging es unter code 5 (kleiner Spi) in Richtung Ziel. Das waren dann sehr schöne Bedingungen bei denen der Dampfer richtig gut läuft. Zwischenzeitlich raumte der Wind auch etwas, so dass ein weiterer Spi Wechsel auf ein größeres Tuch anstand. Im Ziel als 18ter war ich zwar nicht zufrieden, da mich auf der Kreuz doch der ein oder andere geholt hatte, aber insgesamt war es eine gute Erfahrung die mich weiter nach vorne gebracht hat.

 Am Dienstag war dann wie angekündigt Lay Day und am Abend um 17 Uhr wurden uns (wie nett) insgesamt 6 Kurse zur Auswahl und Vorbereitung auf das Rennen vorgestellt. Am nächsten Morgen, also am Mittwoch um 10.30 Uhr sollte dann bekannt gegeben werden, welcher der Kurse gesegelt werden soll. Toll. Nun gab es 2 Möglichkeiten was man tun konnte. 1. Schlafen gehen und auf den nächsten Morgen warten um die Navigation erst vorzubereiten wenn der eigentliche Kurs feststeht oder 2. alle 6 Kurse zumindest rudimentär vorzubereiten um am eigentlichen Regattatag nicht in Zeitnot mit der Navigationsvorbereitung zu kommen. Ich entschied mit für Variante 2, was eine sehr weise Entscheidung war, denn die Navigationsvorbereitung nimmt enorm viel Zeit in Anspruch. Mini segeln heißt bekanntermaßen, dass kein Chart Plotter oder Handy mit Navi app erlaubt ist. Es muss noch, wie früher, mit der Hand navigiert werden. Lediglich ein GPS ohne Plotter Funktion ist erlaubt. Grundsätzlich ist das ja eine nette Idee, wenn man aber weiß wie sich ein Mini segelt und wie ungern man lange unter Deck verweilt wenn sich das Boot in alle möglichen Himmelsrichtungen bewegt und dabei nass segelt wie eine Jolle, dann kann man sich vielleicht vorstellen, dass es nahezu unmöglich ist, eine Navigation on the way, also an Bord..step by step..durchzuführen. Allein das Zeichnen einer geraden Linie ist eine echte Herausforderung wenn das Boot alles macht, nur nicht ruhig in eine Richtung fahren. Was ist also die Lösung des Problems?
Die Navigation muss mit nahezu allen Eventualitäten bereits im Voraus vorbereitet sein, der Kurs abgesteckt, die jeweiligen Kurse, also Kreuz oder vor dem Wind überlegt sein und am besten hat man einen Routing Vorschlag einer guten Navigationssoftware die einem einen schlauen Weg durch die Strecke vorschlägt. Zum Glück und da bin ich wirklich sehr dankbar hat mir mein Mini Freund Frank Eckardt mit dem ich dieses Jahr 2 der 3 Rennen double handed segeln werde seinen Dongle für sein sündhaft teures Naviprogramm Adrena geliehen und so konnte ich die ganze Vorbereitung professionell durchführen. Als Gegenleistung braucht er sich an den Startgeldern nicht beteiligen und das ist ja vielleicht auch nicht so schlecht 🙂
Wie sieht so eine Navigationsvorbereitung eigentlich aus? Im Endeffekt druckt man sich die Teile der Seekarte auf der man sich bewegt und auf der der zu segelnde Kurs eigetragen ist aus und laminiert sich diese ein, sodass diese auch an Deck bei dem üblichen Vollwaschgang weiter lesbar bleiben. Zusätzlich trägt man sowohl in die Karte, als natürlich auch ins das GPS so ziemlich jedes Kap und jede gefährliche Ecke mit einem Wegpunkt ein damit man am Ende genau weiß wie weit man von dem Punkt eigentlich noch entfernt ist bzw. wo man vielleicht eben nicht hinsteuern will. Bei mir waren es dank Franks Vorbereitung der Software insgesamt 500 Wegpunkte. Des Weiteren druckt man sich den Maßstab mit aus, damit man über den sogenannten XTE (Cross track error) weiß wie weit man von seiner eigentlichen Kurslinie abweichen darf/will. Als letztes ist es natürlich extrem sinnvoll und wichtig zu wissen zu welcher Zeit an welchem Ort, welcher Strom herrscht, detaillierte Stromkarten runden das Ganze dann noch ab. Ich für meinen Teil habe dann noch über den gesamten Kurs die jeweiligen Winddreher Route
die vorhergesagt waren in die Karte mit eingetragen und so hatte ich das Gefühl gut vorbereitet zu sein.

 Am Mittwoch den 06.05.15 ging es dann endlich los. Aufgrund der fehlenden Zeit durch die knapp 2 Tage Lay Day wurde der Kurs auf etwa 300 Seemeilen verkürzt. Es sollte direkt südlich mit einem harten Reach um 90 Grad TWA in Richtung Plateau Rochebonne gehen (ca. 80 Seemeilen) und dann von da aus mit einer Kreuz in Richtung La Rochelle. Dort sollte hinter die Ile de Re gesegelt werden (flach und Fischernetze ohne Ende) um von da aus wieder Richtung Norden bis nach Lorient um die Insel Groix zu segeln. Von da aus dann wieder zurück nach La Trinite. (Siehe Kursbild).

Course
Die Wettfahrtleitung gab uns noch den freundlichen Tipp, dass wir bitte aufgrund des immer noch anhaltenden Starkwindes mit 2 Reffs im Großsegel den Hafen verlassen sollten und das war dann auch eine gute Idee. Ich hatte dann sogar noch ein Reff in die Genua (nennt man bei den Miniisten „Solent“) eigebunden…ja sowas gibt es…und das war dann die Einstellung für den Start. Im Hafen hatte ich mir noch überlegt, dass es ja ganz sinnvoll wäre bereits jetzt die gesamte Ausrüstung nach Steuerbord zu stauen, denn die ersten 80 Seemeilen sollten ja BB Bug mit 25-35 Knoten Wind versprechen. Gesagt getan, alles nach rechts, alles Schwere nach hinten und so fuhr ich mit Schlagseite nach Steuerbord aus dem Hafen was im Endeffekt tatsächlich dann unter anderem der Schlüssel zum Erfolg war. Die Boote wurden zeitversetzt je nach Ankunft aus dem ersten Renen gestartet und so durfte der erste Proto bereits um 15h starten und ich mit meinem Serienschiff und dem 18 Platz im Petto um 16:32h. Ab da ging der Höllenritt los und die Kiste peitschte von Welle zu Welle. Leider kam diese ja aufgrund des anhaltenden Starkwindes genau von der Seite aber das störte mein Boot nicht wirklich. Es ging trotzdem, wie gesagt, mit zweitem Reff im Groß und verkleinertem Vorsegel mit durchschnittlich 8 Knoten voran, in Spitzen über 10. Was ich bis dahin nicht ahnte war, dass ich mein Boot anscheinend optimal für diese Bedingungen getrimmt hatte, denn ich holte mir ohne irgendwelche Probleme Schiff für Schiff und zog mit etwa 1 bis manchmal sogar 2 Knoten mehr Geschwindigkeit vorbei. Das war ein atemberaubendes Gefühl zu wissen, dass die Segel die man gerade noch so am Horizont erkennen konnte mit jeder Minute größer wurden und dann nach einiger Zeit am achterlichen Horizont wieder verschwanden. Wer es nicht glaubt schaut auf den Tracker, 🙂 http://www.snt-regate.org/cartographie-yb

Das war richtig geil. Der Starkwind forderte dann aber auch recht zügig seinen Tribut. Zunächst riss der Lasching an der Genuaschot und so flatterte die Genua nur noch im Wind herum, also bei Riesen Welle nach vorn und das Vorsegel runter nehmen und einen neuen Softschäkel anbringen. Wer da die falsche Segel Bekleidung an hat ist anschließen pitsch patsch nass. Anschließend fiel die GPS Antenne aus. Das war dann ziemlich doof, denn ohne GPS geht es gar nicht bzw. war mir das in unbekannten Gewässern einfach zu heikel. Umdrehen kam aber nicht in Frage. Ich hatte noch ein Ersatz Hand GPS dabei und außerdem kann man ja versuchen das zu reparieren. Am Ende hat die GPS Antenne irgendwie keine Satelliten mehr empfangen. Ich habe die Position der Antenne dann verändert und danach ging es wieder. Nach einiger Zeit bemerkte ich dann, dass die sündhaft teuren Seestiefeln von Musto HPX nicht ihr Geld wert sind und von Innen patsch nass wurden. Sehr schön…also wieder ab unter Deck und Ersatzklamotten anziehen. Auf See sind mir warme und trockene Füße sehr wichtig, denn neben dem Kopf und dem Nacken kühlt man doch über die Füße am meisten aus. Ich hab mich dann für meine Dinghi Ausrüstung (Trockenanzug und Neoprenschuhe) entschieden was eine gute Entscheidung war. Leider hab ich schon lange keine OK mehr gesegelt und so war eine Fuß Manschette verklebt und beim auseinanderziehen gerissen. Also noch schnell Selbstvulkanisierendes Klebeband um die Manschette gewickelt (war ganz schön eng) und schnell wieder raus aus dem Schiff. Mittlerweile war mir so kotz übel von dem Aufenthalt unter Deck und den brechenden Wellen die über das Cockpit krachten, dass ich meinen Mageninhalt Rasmus spenden musste. Ich hoffe es hat geschmeckt 🙂
Der Seekrankheit verfallen gab es nun wieder 2 Möglichkeiten was ich machen konnte. 1. Aufgeben und zurück segeln (kommt nicht in Frage) oder 2. Zähne zusammen beißen und weiter machen. Ich wollte es mit Alternative 2 versuchen. Der Wind nahm zwischen 20 und 24 Uhr langsam auf im Mittel 17-25 Knoten ab und so reffte ich Stück für Stück aus. In der Nacht gegen 4 Uhr kam ich an der ersten Wegmarke Plateau Rochebonne an. Der Wind ging dann auf 5-9 Koten runter und drehte weiter nach links. Die Situation und Winddrehung ein wenig unterschätzt fuhr ich zu tief und musste am Ende die Wegmarke noch mit ein zwei Schlägen aufkreuzen. Ärgerlich, den so kamen 2 Boote von hinten wieder auf die anscheinend die Situation besser eingeschätzt hatten.
Gegen Sonnenaufgang kam ich dann in den Genuss eines Naturschauspiels von dem ich schon von vielen Mini Seglern und Videos auf You Tube gehört hatte. Eine riesige Delphin Familie kreuzte meinen Weg und schien mit mir und meinem Boot spielen zu wollen. Etwa eine halbe Stunde lang schwammen die süßen Säuger links und rechts an meinem Boot vorbei, machten tolle Geräusche und atmeten frische Luft ein. ein toller Moment. Schade als Sie dann von dannen zogen und wahrscheinlich einen meiner Konkurrenten glücklich machten. Ist schon ein Wahnsinn was diese Tiere für einen psychologischen Eindruck auf und Menschen ausüben.
Die anschließende Kreuz in Richtung La Rochelle (ca. 45 Seemeilen) erwies sich als äußerst langwierig, zunächst mit sehr leichten winden um 0-5 Knoten, dann wieder zunehmend auf 12-17 Knoten Wind. Auf der Kreuz habe ich dann auch meinen Schlaf finden können und immer so 30 Minuten am Stück die Augen zu gemacht. Manchmal länger, manchmal weniger, je nachdem, was gerade so an Deck passierte, denn tief schlafen konnte man das wirklich nicht nennen. Gut getan hat das Augen zu machen aber allemal. Langsam auch erholt von der abendlichen und nächtlichen Seekrankheit fand ich auch wieder die Muße etwas zu essen. Das aus Deutschland mitgebrachte Müsli gab mir wieder Kraft und so begann eine neue Phase der Regatta mit guter Laune, fabelhafter Musik und sonnigem Wetter um La Rochelle herum. Der Wind pendelte etwas und war meist um 9 Knoten stark. An la Rochelle vorbei ging es dann unter der Brücke zur Ile de Re vorbei und ein Begleitboot der Wettfahrtleitung das dort vor Anker lag um die passierenden Minis über eine weitere Bahnabkürzung zu informieren sprach mich mit exzellenten Deutsch an und wünschte mir eine gute Weiterfahrt. toll. So macht segeln in einem fremden Land doch echt Spaß.

Passage Ile de Re
Passage Ile de Re

Ab Ile de Re sollte es dann direkt ohne Umwege über Lorient und Ile de Groix ins Ziel nach la Trinite gehen, also noch etwa 100 Seemeilen. Mega Stimmung an Deck, yea es geht Nacht Hause. Ich fiel ab auf etwa 100 Grad TWA und zog den Code 5, der Wind drehte relativ schnell weiter nach rechts, sodass ich den Code 5 gleich wieder einpacken konnte und gegen den Medium Spi wechselte. An gefühlt 100 Fischerfahnen bei 2-3 Meter Wassertiefe vorbeisegelnd war ich froh das es noch nicht richtig dunkel war und so konnte ich im im Gegensatz zu einigen anderen Mini Seglern dem Einsatz im Wasser unter Anwendung von Schneidwerkzeug entgehen 🙂
25 Seemeilen bis le Sable de Ollone (Starthafen Vendee Globe) und das mit Medium Spi, 7-9 Knoten über Grund, das ging schnell, ab da verabschiedete sich der Wind allerdings für einige Stunden und Gewitter zogen in der Ferne auf. Zum Glück mit genügend Abstand zu mir, dafür schickte das Gewitter dann aber einen ordentlichen Regen, also war umziehen wieder angesagt. Bei dem Regen und dem leichten Wind von 0-3 Knoten wollte kein Spi mehr stehen. Also barg ich den Spi und fuhr nur unter Groß und Genua meinen eigentlichen Zielkurs, das war dann wohl auch der Schlüssel zum Erfolg in der zweiten Nacht, denn währen die Ein- oder Anderen unter Autopilot Kreise drehten oder fiese Winkel unter Spi versuchten zu fahren fuhr ich mit 2 Knoten Fahrt ohne Spi, dafür aber in die richtige Richtung. Yea, das machte Spaß. Am nächsten Morgen (Freitag) war ich dann kurz etwas irritiert, weil ein Mini, den ich in der ersten Nacht überholt hatte direkt hinter mir war und dachte ich hätte die Nacht über schlecht gesegelt. Ihm gegenüber mag das auch stimmen, aber nach gründlicher Umsicht konnte ich feststellen, dass ich sogar in das Feld der hinteren Protos hinein gefahren war und bei den Serien Minis im vorderen Mittelfeld angenommen war. Super, dass hieß es dann zu halten, was im Endeffekt gar nicht so einfach war, weil die Miniisten hinter mir mit allen Mitteln versuchten, Ihren Rückstand in einen Vorsprung umzumünzen. So wurde bei jeder Winddrehung oder Veränderung der Windstärke ein neues Segel gezogen. Gefühlte 100 Spiwechsel machten den Tag definitiv nicht langweilig. Spi runter, anderer Spi rauf, kurz einstellen, alten Spi wieder in den Sack packen und dann konnte man auch schon fast den gerade wieder frisch gepackten Spi oder einen anderen wieder hoch ziehen und neu packen. Wie ärgerlich 🙂
Angekommen in der Bucht von Quiberon fuhren wir zunächst bei 15 Knoten Wind mit großem Spi und ca. 120 Grad TWA als der Wind dann (vielleicht liegt es ja an der Bucht) wieder ordentlich auf über 20 Knoten zunahm. Zunächst konnten wir das Ziel gerade noch so anliegen, aber mit jedem Knoten mehr Wind wurde der Kurs tiefer und ein echt schwieriger Segelwechsel von Spi Max auf Code 5 lag an. Die pushende Konkurrenz hatte hinter mir bereits gewechselt und ich versuchte mit dem größeren Speed noch etwas Vorsprung heraus zu holen. Das konnte aber nur gut gehen, wenn ich beim Bergen des Spi nicht zu viel höhe verschenke und so folgte ein Spi Bergemanöver im vollen Reach. Jeder kann sich vielleicht vorstellen wo der Spi hinfliegt, wenn die Tack leine bei voll Dampf und relativ spitzem Kurs geöffnet wird. Geklappt hats aber trotzdem und der Code 5 ging dann auch relativ schnell hoch. Beeilen musste ich mich ja ohnehin, so war die Motivation das schnell hinzubekommen doppelt hoch. Im Ziel angekommen war ich dann gut 2-3 Minuten vor meinen beiden Verfolgern. Überglücklich das geschafft zu haben und mit einem für einen Klasseneinstieg, gerade in einem Transat Jahr, hervorragenden 12 Platz abgeschlossen zu haben war echt Balsam für die Seele. Im Hafen gab es dann auch gleich anerkennende Worte der direkten Konkurrenz. Der Name Andreas Deubel ist nun nicht mehr unbekannt im Mini Zirkus und das macht mich stolz.
Zu guter Letzt noch zwei drei Anmerkungen:

 1. Das die Franzosen kein Englisch sprechen stimmt nicht, die waren alle total nett, hilfsbereit und aufgeschlossen.

 2. Das Mini Segeln Selbstkasteiung par excellence ist stimmt.

 3. Das Dominik Lenk mit seinem Proto hinter mir gelandet ist lag in meinem Augen ausschließlich daran, dass er nahezu das gesamte Rennen ohne Autopilot segeln musste (Hut ab)

 4. Wie man das auf einem Transat über 3 Wochen aushalten kann muss mir noch jemand erklären und begründen 🙂

 Das nächste Rennen ist das Mini Fastnet, 600 Seemeilen nach Irland und zurück. Einen ausführlichen Bericht wird es natürlich wieder geben.
Vielen Dank an alle Unterstützer und Follower die mich ermutigen weiter zu machen. Ihr seid spitze.
Viele Grüße
Andreas

PS: Gewonnen hat das Rennen im übrigen der sympatische Franzose Frederic Denis mit dem Proto Nautipark FRA 800

Winner

PPS: Der ehemalige Eigner meines Mini 819 „Simon Koster“ hat sich im übrigen einen neuen Mini gebaut. Diesmal kein Serienboot, sondern einen Proto…..die Optik lässt viel Spielraum für Diskussionen übrig 🙂

Proto Simon Koster
Proto Simon Koster

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