Mach kaputt was kaputt gehen kann und tausche es aus!!! (Teil 2)

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen…so heißt es ja so schön. Deshalb machte ich mich direkt nach der Zielankunft in La grande Motte an das Abbauen des Bootes um es für den Transport nach Italien vorzubereiten. Dummer weise sind wir alle wegen der Flaute gut einen Tag später im Ziel angekommen und so hatte ich bereits meinen Krantermin am selbigen Tag. Keine Zeit für Schlaf und so begann ich ohne Pause und bereits seit 28 Stunden wach mit den Vorbereitungen des Kranens wie z.B. in den Mast klettern um Windanlage und Windex abbzuauen. Ca. 4 Stunden später stand ich dann am Kran um bei zunehmenden Wind verladen zu werden. Es setzte dann der bekannte Mistral ein den ich bislang immer nur aus Büchern, wie z.B. dem schönen Buch „Atlantikfieber“ meines Freundes Jan Heinze, mit dem ich das nächste Rennen segeln wollte, gelesen hatte. Das der Mistral solch eine Stärke erreichen würde, dass gar eine Farr 40 mit gewiss mehreren Tonnen Gewicht im Kiel direkt vom Hafen Craddle geworfen wurde hätte ich nicht erwartet. Das Boot hatte leider einen Totalschaden. Weitere Bilder auf Anfrage.

Farr 40 droped from craddle
Farr 40 droped from craddle

Die Fahrt nach Italien ist nicht ganz trivial, denn in Italien ist es nicht erlaubt Boote mit Überbreite in Eigenregie zu transportieren. Dafür muss man für „sehr“ viel Geld eine Spedition beauftragen…..oder schwarz fahren….Mein lieb gewonnener Freund Andrea Fornaro der gerade mit seinem brandneuen Prototypen Sideral in „La grande Motte“ seine Jungfernfahrt bestritten hatte erklärte mir, dass es kein Problem wäre in der Nacht durch Italien zu fahren…es würde eh keinen interessieren und man behindert nachts ja keinen. Wir könnten gerne zusammen fahren. Total übermüdet und mittlerweile über 36 Stunden ohne Schlaf überredete ich Ihn noch eine Nacht Schlaf nachzuholen um zum einen der Gefahr aus dem Weg zu gehen das Boot in einer Mistral Boe zu verlieren und zum anderen Leib und Leben wegen totaler Übermüdung zu riskieren.

Eine gute Entscheidung um den Titel dieses Berichtes nicht weitere Beispiele zu liefern. Nach einem fürstlichen Mal in einem der doch sehr guten Restaurants dieses Örtchens ging es am folgenden Morgen Richtung Italien. Mein lieber Andrea entschied sich dann aber an der Grenze zu Italien nicht auf den Einbruch der Nacht warten zu wollen und fuhr direkt weiter. Ganz allein durch Italien wollte ich es nicht versuchen und so fuhren wir weiter in einer Mini Kolonne aus 2 nicht unbedingt unauffälligen Gespannen. Nach ca. 13 Stunden Fahrt und mehr als 800 Kilometern Strecke kamen wir im unfassbar süßen Örtchen Talamone in der südlichen Toskana an. Das Wetter war grandios und die letzten Sonnenstrahlen schienen mir entgegen. Ziemlich kaputt fiel ich in die Koje (welche übrigens für 3 Wochen aus der ausgeklappten Liegefläche meines Audi A6 bestand) und wachte mit den folgenden Sonnenstrahlen des kommenden Morgens auf.Der Kranmeister des Hafens half mir den Mast direkt an Land mit dem Boot auf dem Trailer zu stellen, denn ins Wasser wollte ich noch nicht. Der Start der Regatta war noch 1,5 Wochen hin und ohne Antifouling unter dem Boot ist schnell Bewuchs am Rumpf. Das muss nicht sein. Außerdem wollte ich das Boot so schnell wie möglich fertig bekommen um für 4 Tage nach Hause zu fliegen und endlich meine Familie wieder zu sehen. Außerdem hatte ich Geburtstag und den wollte ich Zuhause verbringen.

Ersatzanlage installiert
Ersatzanlage installiert

Da meine Windanlage ja den Geist aufgegeben hatte, installierte ich kurzer Hand die Ersatzanlage an der selbigen und so sah mein Mini ein wenig aus wie die großen Open 60s der IMOCA Klasse die grundsätzlich mit 2 Anlagen durch die Gegend feuern. Hatte auch was. Für die kommende Regatta „Arcipelago 6.50“ fühlte ich mich gut vorbereitet. Mit der Ersatzwindanlage würde es gehen und außerdem ist es eine  double handed Regatta wo ein Autopilot nicht unbedingt zu 100% von Nöten ist.

Wie war doch diese Aussage sein kann ergab sich während der Regatta als nach mehreren Stunden Fahrt der Autopilot seinen Dienst einstellte bzw. langsam Stück für Stück immer weniger arbeiten wollte. Irgendwann am folgenden Morgen ließ er sich gar nicht mehr einkuppeln und gab die Fehlermeldung Low Power. Das war allerdings recht komisch, denn die Batterien waren vollgeladen und standen noch gut im Saft. „Wieso läuft der Autopilot denn nun nicht mehr und wieso sollen die Batterien zu wenig Spannung haben“, das hatte ich in dem Moment gedacht und wie sich am Ende nach der Fehlerdiagnose heraus stellte war es ein mittlerweile veraltetes Kabel welches die Spannung für den Piloten nicht mehr konstant halten konnte. Zum Glück also keine große Reparatur, denn der Autopilot ist neben der Windanlage ja ein weiterer extrem teurer Ausrüstungsgegenstand in meinem Boot. Leider leider, aber in Teil 3 dieses Berichtes muss ich dieses Thema noch einmal aufnehmen.

Arcipelago
Arcipelago

Was die Regatta anging war es in der Tat fast ein Spiegelbild zur Regatta in „La grande Motte“. Erst war kurz Wind, dann kam die Flaute (nur war Sie in dieser Regatta nicht 10 Stunden, sondern gut 24 Stunden lang) und am Ende kam nicht der Mistral, sondern der Scirocco. Ein Fallwind der von den Bergen der vielen großen Inseln die jeweils einen riesigen Berg beherbergen herunter schießt. In unserem Fall kam er von Elba herunter geschossen. Gerade als ich zu Beginn der zweiten Nacht ein Nickerchen machen wollte, weil mich die Flaute sowas von angekotzt hat, dass ich es nicht mehr ertragen konnte, ging der Wind innerhalb von 2 Minuten von 0 Knoten auf etwa 30 Knoten hoch. Ohne Ölzeug angehabt zu haben ging es nach draußen um schnell 2 Reffs in das Großsegel einzuziehen. Auch Jan (mein Co-Skipper) wurde völlig überrascht und musste in seinen leichten Klamotten ausharren. Nach einiger Zeit entspannte sich die Situation aber und so pendelte sich der Wind bei etwa 15-22 Knoten ein. Die Restlichen Stunden bis ins Ziel vergingen dann recht schnell und so liefen wir zur Mittagszeit des dritten Segeltages als 9. Von 16. Serienbooten über die Ziellinie. Auch nicht gerade ein berauschendes Ergebnis, aber ich muss mir auch ganz klar eingestehen, dass Flauten Segeln noch nie meine Spezialität war und die Nacira ebenfalls nicht für dieses Windband konstruiert wurde. Mit dem Ergebnis muss ich also zufrieden sein. Dennoch ist es so, dass ich auch auf der zweiten Regatta diesen Jahres einen technischen Defekt hatte den es abzustellen gilt, denn auf dem Transat können technische Defekte zu einem echten Problem werden. Schließlich ist da kein Hafen in der Nähe den man mal schnell anlaufen kann.

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