Regatta – Pornichet Select 2016

Pornichet Select 2016 – 300 Seemeilen Sprint Race

Im April war es wieder soweit. Die neue Saison begann und mit einem komplett neuen Satz Segel meines Sponsors „Narwal Sails“

Neuer Satz Segel
Neuer Satz Segel

aus Danzig ging es in die Bretagne um die dritte Saison meiner Mini Kampagne zu beginnen. Auch Morten Bogacki wollte runter in die Bretagne und so trafen wir uns nahe Köln auf der Autobahn und tingelten gemeinsam die lange Fahrt nach Lorient hinunter.

Angekommen in Lorient organisierte ich einen Elektriker der mir bei meinen diversen Veränderungen, die ich für die Elektrik geplant hatte, behilflich sein sollte. Gesagt getan hatte ich einen Tag später einen netten Franzosen namens Julien auf meinem Boot sitzen. Julien gab sich allerdings nicht damit zufrieden meine Wünsche in die Tat umzusetzen, sondern er hatte den Anspruch auch aus mir einen besseren Elektriker zu machen. Seine Worte waren in etwa: „if you are alone at the Atlantic ocean…you have to help yourself….i cannot come and help you….so you need to know what we are doing now“.

Julien
Julien

Wie Recht er doch hatte. Aber Elektrik war bislang nicht unbedingt meine Stärke. Ich nahm sein Angebot gerne an und so zog sich die Installation zwar etwas in die Länge, aber sie wurde gut und das war ja das Ziel. Julien hatte damals im Team von Jörg Riechers gearbeitet und seit der Aufgabe des Teams hilft er aus wo er kann. Auch kein einfaches Leben.

Kabelsalat
Kabelsalat

Umso mehr war ich begeistert von seiner Gastfreundschaft. Ich bekam das Angebot bei ihm zu wohnen wann immer ich wolle. Er wohnte in einer Segler WG, nur seine Freundin war Fotografin und so war es üblich, dass die Gäste immer an gleicher Stelle der Wohnung ein Portrait in Polaroid machen mussten. Ja so etwas gibt es noch in Frankreich. Es war sehr lustig und beeindruckend wer alles schon in dieser Wohnung nächtigen durfte :-) Es war so ein typischer Abend in Frankreich von dem die Segler alle erzählen aber von denen man immer nur gehört hatte und nie mit dabei war. Einfach ein cooles Erlebnis.

Freunde
Freunde

In Pornichet angekommen hieß es erst einmal Mast stellen und die neuen Segel testen. Morten war dafür die ideale Begleitung und so verbrachten wir den ganzen Tag mit Segel einstellen und fotografieren der einzelnen Profile um Änderungswünsche direkt nach Polen weiter zu reichen. Für die erste Regatta musste aber der erste Schnitt reichen und so startete ich am Samstag den 30.04.2016 das Pornichet Select.

 4 deutsche Teilnehmer waren eingeschrieben: Lina Rixgens, Oliver Tessloff, Michael Zerr und ich. Ziemlich nervös ging ich morgens an Bord. Irgendwie hatten mich die ganze Vorbereitung im Winter und die Tage vor der Regatta ziemlich geschafft. Nie zuvor war ich vor einer Regatta so aufgeregt. Ich fühlte mich schlecht vorbereitet, die Navigation hatte ich erst am Abend und in der Nacht vorher fertig bekommen, die Segel waren noch nicht perfekt, das GPS war neu und die Menüführung war komplett anders als das Alte. Ich war spät dran mit dem Auslaufen, musste vor dem Start noch in die Stadt Joggen weil ich meine Sonnencreme nicht mehr finden konnte (Aufregung) und und und….kurz vor dem Start fuhr mir dann noch mein Freund Sander van Doorn mit seiner Pogo 3 ohne Wegerecht quer ins Schiff. Ich dachte, jetzt ist es aus. Das gibt ein riesiges Loch. Aber anscheinend sind die Minis doch viel stabiler als gedacht. Es war kein Kratzer, keine Beule, kein Schaden zu erkennen. Nicht mal Haarrisse konnte ich im Nachhinein feststellen. Entweder lag es an der guten Konstruktion der Nacira oder an dem stumpfen Bug der Pogo 3. Egal, 2 Minuten vor dem Start war das ein ziemlicher Schock. Der Start selbst lief dann aber dennoch gut und so startete ich auf der Mitte der Linie raus aus der Bucht von Pornichet. Es ging zunächst um eine Verholtonne und dann aus der Bucht heraus in Richtung Quiberon. Der Wind wehte frisch mit etwa 20 Knoten und so segelten die meisten mit einem Reff im Groß und teilweise auch einem Reff im Solent. Die erste richtige Wendemarke war dann der Leuchtturm Birvideaux doch bis dahin waren es etwa 40 Seemeilen Kreuz. Mein Solent entwickelte eine gute Höhe und so war ich mit meiner Performance auf der Kreuz sehr zufrieden. Leider haben die Pogo3 und Ofcet mittlerweile die richtigen Einstellungen gefunden und so ist es nahezu unmöglich mit dem Nacira Design an die Performance der neuen Boote heran zu kommen. Im Winter scheint es massenhaft neue Boote gebaut zu haben, denn am Start waren 19 Boote vom Typ Pogo3 oder Ofcet. Die eigenen Erwartungen an eine Top 10 Platzierung in diesem Feld muss ich wohl leider nach unten korrigieren, aber immerhin waren auch einige der anderen Naciras  am Start, sodass ich mir eigene Gegner suchen konnte. Die Kreuz war extrem anstrengend, denn dicht unter Land fahrend waren viele Wenden nötig und das gesamte Material wollte vor jeder Wende immer wieder auf die neue Luv Seite gestaut werden. Das ist bei ruppiger Welle und frischem Wind eine echt anstrengende und für den Magen nicht ganz einfache Aufgabe. Mal davon abgesehen, dass es immer wieder aufregend ist in einem engend Feld für die Zeit des um Stauens unter Deck zu gehen und dem Autopiloten das Feld und den Ausguck zu überlassen.

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Gegen 24 Uhr war die Wendemarke Birvideaux erreicht und ich war echt froh darüber. Mittlerweile war es dunkel und das war auch gut so, denn einen riesigen Leuchtturm als Wendemarke im Atlantikschwell zu wählen ist typisch Classe Mini aber für ein 6.50 M langes Boot doch ziemlich spannend. Das zeigte sich auch für den Mini Segler Nick Joyce der direkt in der Nähe des Leuchtturms ein Fischernetz mit seinem Kiel einfing. Das Boot stoppte auf und trieb langsam in Richtung Leuchtturm. Nick ließ seine Segel fallen und sprang, gesichert mit einer Leine und bewaffnet mit einem Messer, in den Atlantik um sich aus dieser gefährlichen Lage zu befreien. Wie gesagt, es war stock dunkel. Er war danach so kaputt und unterkühlt, dass er erst lange Zeit danach seinen Spi setzte um wieder im Race Mode weiter zu fahren. Ja, man muss beim Mini segeln ein wenig Wahnsinnig sein. Ich setzte ab dem Leuchtturm meinen Medium Spi und glitt mit 8-10 Knoten Fahrt in Richtung Belle Ile. Die Nacht nutzte ich um Schlaf zu bekommen. Der Autopilot steuerte mich auf einem sicheren Kurs entlang der Belle ile und weiter Richtung Ile de Yeu. Nach einigen Schlafphasen von jeweils 30 Minuten entschied ich mich zu einer Halse. Leider nahm der Wind immer weiter ab und so war es noch ein sehr langer und beschwerlicher Weg zur nächsten Wendemarke Les Sable D´Olonne. Als es wieder hell wurde war weder ein Konkurrent mit dem Auge, noch mit dem AIS zu sehen. Das kann ganz schön beunruhigend sein, denn auf Regatta sind die Konkurrenten um einen herum doch auch immer der Gradmesser für den eigenen Speed.  So  verholte ich mich wieder in Richtung des vermuteten Feldes um Sicherheit zu gewinnen. Im Nachhinein hätte ich wahrscheinlich einfach weiter Tiefe fahren sollen und so einen direkteren Weg nach Les Sable fahren können. Aber gut, so ist es nun mal im Regattasport. Die Psyche spielt gehörig mit!

Der Track
Der Track

Am Abend erreichte ich Les Sable und das war dann auch der südlichste Punkt der Strecke. Ab da war die Prognose auf etwa 100 Seemeilen Kreuz bis zur Ile de Groix. Nicht unbedingt der Kurs der auf einem Mini richtig Spaß macht. In der Nacht verschwand der Wind komplett, etwa 3-4 Stunden Flaute zerrten an den Nerven. Das Boot trieb teilweise etwas rückwärts was ich natürlich gerne vermeiden wollte. Aber bei einer Tiefe von gut 100 Metern muss man sich über Ankern nicht wirklich Gedanken machen. In der Flaute treibend versuchte ich alles um zumindest ein wenig Fahrt ins Boot zu bekommen. Die anderen Minis in meiner Nähe verrieten mir, dass ich im Treiben gar nicht so schlecht bin. Gut für Geist und Stimmung versuchte ich noch ein wenig zu schlafen bis der hoffentlich erwartete Wind wieder einsetzte. Gegen Sonnenaufgang kam dieser mit ganz kleinen Schritten zurück. Er drehte weiter nach links als erwartet und so wurde es ein Anlieger an der Ile de Yeu, Belle Ile und Ile de Groix (höhe Lorient) entlang. Groix erreichte ich am Montagabend gegen 23 Uhr. Ab da hieß es noch die letzten ca. 70 Meilen Richtung Ziel (Pornichet) abzuhaken. 70 Meilen können schnell gehen oder dauern. In meinem Fall kam der Wind genau achterlich und ich freundete mich so langsam mit vielen nächtlichen Halsen an als der Wind ein Einsehen bekam und etwas vorlicher einfiel. So schaffte ich es mit einem Windwinkel von etwa 160 Grad TWA (wahrer Windwinkel) den direktesten Weg entlang der Küste von Quiberon und auf der anderen Seite der Belle Ile entlang zu heizen. Der Wind frischte auf 20 Knoten auf, kam im Verlauf der dritten Nacht noch etwas vorlicher und so knallte ich mit konstant über 10 Knoten, in Spitzen bis 14 Knoten Fahrt in Richtung Ziel. In solchen Nächten macht sich bezahlt wer einen guten Autopiloten hat. Ohne Sicht (wieder eine rabenschwarze Nacht) und mit ordentlich Druck von hinten überließ ich das Steuern meinem zweiten Mann an Bord namens NKE. Ich degradierte mich zum Spi Trimmer und so teilten wir uns die Aufgaben mit Bravur. NKE lufte an und fiel ab in den Böen, ich fierte und trimmte den Spi. Es war ein stetiger Wechsel, so als wenn ein erfahrener Steuermann an der Pinne stand. Ich war schwer begeistert, denn dass diese Symbiose aus Maschine und Mensch so gut funktionierte hatte ich nicht erwartet. Es war der sprichwörtliche Ritt auf Messers Schneide. Der Wind kam mit etwa 15-20 Knoten, manchmal auch darunter und der Windwinkel änderte sich bis auf 120 Grad TWA. Das Großsegel hätte ich gerne gerefft, aber das hieße Spi wegnehmen, Groß reffen, Spi wieder setzen. Der Winkel war zu spitz um die Arbeit dem Piloten komplett zu überlassen. Eine weitere Alternative wäre gewesen einen kleineren Spi zu setzen, aber aus meiner Erfahrung heraus wusste ich, dass dann zu wenig Power für einen guten Durchschnittsspeed vorhanden wäre. Insgesamt hatten mir beide Alternativen nicht gefallen und so entschied ich mich das Großsegel ganz zu öffnen, den Baumniederholer aus der Hand zu fahren und so den Rest bis zum Ziel zu fahren.

Die letzten 15 Meilen war der Kurs zu spitz für den Spi und so fuhr ich mit Groß und Genua dem Sonnenaufgang entgegen. Um 06:15 Uhr am Dienstagmorgen überquerte ich, erschöpft von der letzten Nach, (fast ohne Schlaf) die Ziellinie. Ein Begleitboot des Veranstalters schleppte mich in den Hafen und ich begab mich in das Wettfahrtbüro um meine Ankunft auch schriftlich zu untermauern. Alle waren freundlich und genauso freundlich überbrachte mir der Wettfahrtleiter, dass gegen mich und diverse andere ein Protest der Wettfahrtleitung vorliegt. In der ersten Nacht gab es einen Notruf des Mini 814 und kaum ein Mini in seiner Nähe hätte darauf reagiert. Die französische Küstenwache hatte daraufhin dem Veranstalter einen gehörigen Einlauf verpasst und als Exempel sollte nun ein Protest gegen die Minis in der Nähe statuiert werden. Die Protestverhandlung war für 15 Uhr angesetzt. Ich war nahezu der letzte Skipper der zur Anhörung gerufen wurde, das war um etwa 19 Uhr. Unverständliche 4 Stunden durfte ich Gewehr bei Fuß vor dem Jury Office warten um ca. 5 Minuten auf Englisch zu erklären, dass ich kein Wort Französisch verstehe. Abgesehen davon, dass ich zu der Zeit des Notrufes geschlafen hatte war der komplette Funkverkehr in Französisch. Ich machte deutlich, dass nach den internationalen radio regulations der Notverkehr in Englisch zu führen ist, aber was rede ich mir den Mund fusselig, der Franzose wird in seinem eigenen Land einen Teufel tun und in Englisch einen Notruf absenden. Ende gut, alles gut, die Jury akzeptierte meine Erklärung und verschonte mich als einzigen von einer 2 stündigen Zeitstrafe.

Pornichet
Pornichet

Als 23. von 50 Serienschiffen erreichte ich nach 2 Tagen, 17 Stunden, 01 Minute und 57 Sekunden das Ziel. Für mich als Regattasegler mit dem Anspruch immer vorne mit zu segeln fällt das Ergebnis bei erster Betrachtung nicht so gut aus. Wenn man aber auf die Liste schaut, dann sieht man 15 Boote der neuesten Generation (Pogo 3 und Ofcet) und nur 7 von der Performance vergleichbare Boote wie z.B. Argo, Pogo 2 oder Tip Top. Wenn man das mit einrechnet, könnte man sagen es wäre ein 8. Platz gewesen mit dem ich sehr zufrieden sein kann. 2 Boote der neuesten Generation waren hinter mir ins Ziel gekommen und so fällt mein Fazit durchaus positiv aus. Die Classe Mini ist eben keine Einheitsklasse, dass darf man nicht vergessen. Es ist eine Konstruktionsklasse mit einer sogenannten „BOX Rule“. Alle Boote müssen in gewisse Abmessungen (z.B. 6.50 lang und max. 3 Meter breit etc.) passen. Das restliche Design ist frei und führt selbstverständlich zu unterschiedlichen Performances. Es wird also immer auch eine sogenannte inoffizielle Wertung der Boote der älteren Generation geben. Vielleicht ja sogar auch einmal offiziell, denn wenn man sich die Performance der neuen Boote anschaut, wie Sie mittlerweile sogar ganz vorne im Proto Feld mitfahren, dann bekommt man ganz schön große Augen. Zumindest wenn man es aus der Brille eines Wettkämpfers sieht.

Abschließend muss man leider neidvoll anerkennen, dass die neuesten Boote vom Typ Pogo 3 und Ofcet ein gutes Stück schneller sind und das eine Teilnahme am Transat im kommenden Jahr aus sportlicher Sicht eine echte Herausforderung werden wird. Unter normalen Umständen sind diese Boote leider nicht zu schlagen und so müssen wohl mindestens die ersten 20 Plätze auf der Ergebnisliste diesen Booten vorbehalten sein. Schade für mich der sich 2013 für das damals aktuellste Design entschieden hat, gut für diejenigen, die erst 2015 oder 2016 ein neues Boot oder eine vom Transat zurückgekehrte Pogo 3 oder Ofcet gekauft haben. Wenn man es aus der Budget Sicht sieht wäre ein so neues Boot aber für mich ohnehin nicht machbar gewesen, ein Pogo 3 Projekt hätte locker nochmal 50.000 € extra verschlungen und so muss ich mich einfach damit abfinden die Ergebnislisten etwas differenzierter zu betrachten.

Trotzdem soll man niemals nie sagen und gerade auf dem Transat im kommenden Jahr kann alles passieren. Auch eine vermeintlich langsamere Nacira kann da mit etwas Glück gute Akzente setzen. Das wird mein neues Ziel für das Transat sein. Das Beste aus mir und dem Boot herausholen und in Anbetracht der neuen Gegebenheiten ein gutes Ergebnis einfahren.

Andreas

Saison Ausblick 2016

2016 wird der dritte von insgesamt 4 Abschnitten/Zielen die ich mir für mein Mini Transat Projekt gesteckt habe.

Im ersten Jahr (2014) stand der Bootskauf und die ersten Trainings auf der Ostsee an. Anschließend fanden die ersten lokalen Regatten statt.

Im zweiten Jahr (2015) stand auf dem Programm 50% der Qualifikationsanforderungen der Klassenvereinigung Classe Mini zu absolvieren. Mit den Regatten Lorient BSMini, Mini en Mai und Mini Fastnet war die Hürde 1000 Seemeilen Mini Regatten zu segeln und davon 500 Seemeilen Solo zu segeln erreicht. Es fehlt nun nur noch der Qualifier (1000 Seemeilen quer durch die Biskaya, den englischen Kanal und die Irische See) um am Mini Transat teilnehmen zu dürfen. Ich bin also voll im Soll. Yea

Qualifier Strecke 1000 Seemeilen
Qualifier Strecke 1000 Seemeilen

Nun im dritten Jahr (2016)  angekommen gilt es die noch zu absolvierende Qualifikationsstrecke so schnell wie möglich abzusegeln um dann auch die Startberechtigung für die sogenannten Kategorie (A) Rennen zu bekommen. Das sind alle 2 Jahre das Rennen „Les Sable les Acores (SAS)“ und alle 2 Jahre das Mini Transat. Um an einem Kategorie (A) Rennen teilnehmen zu dürfen muss man nicht nur die 1000 Seemeilen Regatten und 1000 Seemeilen Qualifizierungstörn gesegelt, sondern auch mindestens eine solo Regatta in dieser Saison (vor dem Start der Kategorie A Regatta) beendet haben. Es gilt also vorher noch das Pornichet Select Ende April zu segeln. Das sind 300 Seemeilen entlang der nördlichen Küste der Biskaya. Falls dieses Rennen aus irgendeinem Grund in die Hose gehen sollte, würde es knapp werden die Startberechtigung für das SAS zu bekommen. Dann bleibt im Endeffekt nur noch das MAP im Juni welches kurz vor dem Fastnet Race gestartet wird. Wie man also erkennen kann hängt alles irgendwie von einem reibungslosen Ablauf der Saison ab. Jedwede Rückschläge können die ganze Saisonplanung durcheinander bringen.

Im Prinzip wäre ein Rückschlag zu verkraften, denn das Transat im nächsten Jahr wäre dadurch in keinster weise gefährdet. Im Prinzip fehlt ja nur noch der Qualifizierungskurs (1000 Seemeilen) und fertig ist die Qualifikation. Dann müsste ich nur noch im kommenden Jahr eine solo Regatta segeln und dürfte am Transat teilnehmen. In meinen Augen ist aber das SAS, also die Regatta zu den Azoren und zurück eine ideale Vorbereitung für das Transat und somit faktisch unverzichtbar. Die Bedingungen auf dieser Regatta kommen dem Transat am nächsten. Wind, Welle, Strecke, alles ist sehr vergleichbar mit dem Transat. Es gilt also dieses Jahr den Deckel zu zu machen und die 3 letzten Punkte auf der Liste (vor dem Transat) abzuhaken. 1. Pornichet Select Ende April (300 Seemeilen), Qualifier im Mai (1000 Seemeilen) und SAS im Juli/Augist (2500 Seemeilen). Dann steht dem Transat im nächsten Jahr nichts mehr im Wege und eigentlich kann man auch erst Ende dieser Saison sagen, ob das Transat überhaupt etwas für einen ist. Ob man körperlich, Mental und seglerisch dazu in der Lage ist eine solche Regatta zu bestreiten. Ich für meinen Teil bin mir da zwar jetzt eigentlich schon sicher, aber man kann ja nie wissen was da noch so kommt :-)

Ich würde mich sehr freuen wenn Ihr mir alle ganz fest die Daumen drückt, damit mir Rassmus gut gesonnen ist und alles glatt geht in dieser doch so entscheidenden Saison. Möge alles halten und die Go4it mich schnell ans Ziel bringen.

Bis bald

Andreas

Bericht Mini en Mai 2015

 

Mini en Mai 2015…..meine erste Mini solo Regatta!!! 500 Seemeilen quer durch die Biskaya.
Wo soll ich anfangen, es gibt so viel zu erzählen, angefangen bei einer Anreise die zum Abgewöhnen war und noch lange nicht aufgehört bei traumhaften Segel Bedingungen vor La Rochelle bei Sonnenschein und warmen Temperaturen.

Die Anreise war einfach schlecht durchdacht. Lorient ist halt nicht Paris, es gibt keinen Direktflug, also muss man sich irgendetwas ausdenken um einigermaßen Sinnvoll dahin zu kommen. Abschließend muss ich sagen, dass ich das Ziel klar verfehlt habe. Ich habe einen Direktflug von Berlin nach Nantes gefunden, von da aus sind es nur noch 100-150km nach Lorient. Mit dem Bus geht es von Hamburg für 10€ in 3,5 Stunden nach Berlin, von da aus dann mit dem Flieger nach Nantes, der geht allerdings so spät, dass in Nantes schon alle Kantsteine hochgeklappt werden. Nix mehr mit Weiterfahrt nach Lorient. Also entweder schlafen auf der Bank oder Hotelzimmer. Ich hab mich für zweites Entschieden und gut geschlafen. Am nächsten Morgen dann mit dem Shuttle-Bus in die Stadt zum Bahnhof und von da aus mit dem Zug nach Lorient. Dann noch schnell mit dem Taxi zum Hafen und gut 22 Stunden nach Abfahrt war ich da. Eines hab ich mir geschworen, das nächste Mal bin ich cleverer. Dumm nur, dass ich die Flüge für dieses Jahr im Voraus gebucht habe, weil die ja so günstig waren :-)
Nun gut der Nörgelei. Das Tolle an Lorient ist, dass diese Stadt, bzw. der Hafen und seine Menschen dort zu 100% auf Regattasegler eigestellt sind und diese auch sehr willkommen sind. Hier wirst Du nicht schief angeschaut wenn Du mit voller Besegelung in den Hafen rein knallst und Du bekommst wirklich alles für Dein Boot in unmittelbarer Nähe. Vom Yachtausrüster zum Segelmacher, Elektroniker oder Dryfood Shop, einfach alles was das Herz begehrt. Noch besser, Du kommst an und Dein Boot liegt schon wieder segelfertig im Hafenbecken und wartet auf Dich um zu segeln. Der Kranmeister bekommt eine E-Mail, wann Du wieder im Wasser sein willst und dann holt er Dein Boot mit dem Trailer vom Landplatz zum Kran, krant Deinen Dampfer ein und legt das Boot auf einen Liegeplatz, einfach geil. Das kostet natürlich, aber wenn man überlegt, dass man ein ganzes Jahr sowohl an Land, als auch im Wasser liegen kann, so oft Kranen kann wie man will und sämtliche Annehmlichkeiten hat, wie Strom, Waschplatz, Strom am Landliegeplatz, auch dort Frischwasser zum Reinigen des Bootes, Eine Box zum Aufbewahren von Material, Flächen zum Trocknen der Segel usw. usw. dann sind 2000€ für ein ganzes Jahr gar nicht so schlecht, zumal hier auch im Winter gesegelt wird. Wie ich finde….echt cool.

Eigentlich wollte ich gleich aufbrechen um zum Starthafen der Regatta „La Trinte sur Mer“ zu fahren, da Chris Lückermann der zweite von 3 Deutschen die an der Regatta teilnehmen wollten aber noch nicht da war und wir gemeinsam vor hatten zu fahren (macht ja mehr Spaß) wollte ich warten. Leider verzögerte sich seine Anreise weiter und so fuhr ich dann am Mittwoch den 29.04. nach La Trinite. Im Prinzip hätte ich auch noch länger warten können aber Mini Regatten sind etwas anders als die Regatten die wir so kennen in Norddeutschland. Es gibt eine strikte Anwesenheitspflicht ab einem gewissen Datum (bei dieser Regatta war es der 30.04.) und wer dann noch nicht da ist muss Strafe zahlen und zwar nicht zu knapp. Also heißt es rechtzeitig da sein, sonst wird das ohnehin kostspielige Abenteuer Mini segeln nur noch unnötig teurer. Warum gibt es eigentlich diese Anwesenheitspflicht? Ganz einfach, der Veranstalter kontrolliert bis aufs kleinste Detail jedes einzelne Schiff auf Vollständigkeit der Sicherheitsausrüstung und Regelkonformität. Zusätzlich gibt es Meetings mit Sponsoren und Briefings über den Kurs etc. Die Anwesenheit wird dann über eine Unterschriftenliste kontrolliert. Das klingt auf den ersten Blick ziemlich übertrieben, wenn man diese Prozedur aber einmal mitgemacht hat erkennt man den Sinn des Ganzen. Minis segeln auf dem offenen Ozean und da geht es mitunter recht ernst zur Sache. Das ist gefährlich oder kann es zumindest sein. Die Boote müssen äußerst umfangreich mit Sicherheitsausrüstung ausgestattet sein und es wird darüber hinaus natürlich auch jedes Verfallbarkeitsdatum der Ausrüstung kontrolliert. Selbstverständlich muss auch die Rettungsinsel einen aktuellen Service haben und und und. (Siehe PDF Security)
Security

Das ganze Prozedere dauert etwa 1- 1,5 Stunden pro Boot, wenn alles da ist, griffbereit und nichts fehlt. Bei 60-80 Booten kommen da dann ein paar Tage Security Check zusammen. Zusätzlich werden einige Boote, die grundlegend verändert wurden oder neu sind, wie z.B. die Pogo3

Pogo 3 (c) Alternative Sailing
Pogo 3 (c) Alternative Sailing

grundlegend vermessen. Hierfür gibt es einen festangestellten Chef Vermesser der Klasse der einen ziemlich ernsten Blick drauf hat und bei dem es einem einen gehörigen Respekt einflößt, wenn der auf dein Boot geht und checkt ob alles so stimmt oder z.B. die Rettungsinsel verplombt, da diese nicht, außer im Notfall, bewegt werden darf. Wenn er sich einen Spaß machen will, dann testet er ob Du es schaffst Deine Rettungsinsel innerhalb von 15 Sekunden aus der Rettungsluke heraus zu hieven, keine Ahnung was passiert, wenn Du es nicht schaffst, ich durfte im April bei der ersten Regatta gleich ran. Die Rookies hat er wohl gleich im Blick. Hat aber zum Glück gepasst.

Start Race A
Start Race A

Der Eigentliche Start sollte dann am Montag sein. Leider entwickelte sich ein ordentliches Nordatlantik Tief

Nordatlantik Tief
Nordatlantik Tief

welches direkt auf die Biskaya zuhielt. Ankommen sollte es am Dienstagmorgen, also genau dann wenn wir so richtig auf dem Wasser sind und eine schwierige Passage, den sogenannten „Raz de Seine“ passieren sollten. Wer sich mal einen Eindruck verschaffen will, der guckt auf YouTube ein paar Videos davon an. Der Wettfahrtleiter (selbst ein großer Mini Segler „Yves le Blevec“) hat sich dann dazu entschieden das Rennen in 2 Teile aufzuteilen. Am Montag sollten wir ein 40 Seemeilen Sprint Rennen segeln und dann am Dienstag im Hafen den Sturm abwettern. Das war eine sehr weise Entscheidung, denn geblasen hat es ordentlich und am Ende sollen alle safe nach Hause kommen, das war der Wettfahrtleitung wichtig.

 Das Sprintrennen am Montag (Race A) war sehr spannend.
Es ging zunächst mit einem Anlieger raus aus der Bucht von Quiberon um dann für eine kurze Strecke abfallen zu können. Klar, dass die ganzen Cracks also gleich einen Vorsegel Wechsel vorbereitet hatten und auf den Code 0 (großes Vorsegel welches am Gennackerbaum gefahren wird) gewechselt haben. Da ich verhalten gestartet war konnte ich mir das gut anschauen und tat gleiches. Vom einholen des Code 0 gab es auch ein sehr schönes Foto vom Race Fotografen (Siehe Titelbild). Anschließen ging es wieder hoch an den Wind bis zur Insel Belle Ile und von da aus für ca. 10-15 Seemeilen auf eine harte Kreuz. Der wind nahm zu auf über 20 Knoten zu und so zog ich ein Reff ins Groß. Anschließend hatte ich allerdings das Gefühl, das es schlechter lief als vorher, aber das lag wohl daran, dass ich einfach noch nicht den richtigen Dreh für diese Bedingungen raus hatte und so wie ich glaube, auch ein wenig zu tief gefahren bin. Als wir dann nach der Kreuz um den schon einigermaßen imposanten Leuchtturm Grand Cardinaux
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herum gefahren sind (die Welle kam von überall) ging es unter code 5 (kleiner Spi) in Richtung Ziel. Das waren dann sehr schöne Bedingungen bei denen der Dampfer richtig gut läuft. Zwischenzeitlich raumte der Wind auch etwas, so dass ein weiterer Spi Wechsel auf ein größeres Tuch anstand. Im Ziel als 18ter war ich zwar nicht zufrieden, da mich auf der Kreuz doch der ein oder andere geholt hatte, aber insgesamt war es eine gute Erfahrung die mich weiter nach vorne gebracht hat.

 Am Dienstag war dann wie angekündigt Lay Day und am Abend um 17 Uhr wurden uns (wie nett) insgesamt 6 Kurse zur Auswahl und Vorbereitung auf das Rennen vorgestellt. Am nächsten Morgen, also am Mittwoch um 10.30 Uhr sollte dann bekannt gegeben werden, welcher der Kurse gesegelt werden soll. Toll. Nun gab es 2 Möglichkeiten was man tun konnte. 1. Schlafen gehen und auf den nächsten Morgen warten um die Navigation erst vorzubereiten wenn der eigentliche Kurs feststeht oder 2. alle 6 Kurse zumindest rudimentär vorzubereiten um am eigentlichen Regattatag nicht in Zeitnot mit der Navigationsvorbereitung zu kommen. Ich entschied mit für Variante 2, was eine sehr weise Entscheidung war, denn die Navigationsvorbereitung nimmt enorm viel Zeit in Anspruch. Mini segeln heißt bekanntermaßen, dass kein Chart Plotter oder Handy mit Navi app erlaubt ist. Es muss noch, wie früher, mit der Hand navigiert werden. Lediglich ein GPS ohne Plotter Funktion ist erlaubt. Grundsätzlich ist das ja eine nette Idee, wenn man aber weiß wie sich ein Mini segelt und wie ungern man lange unter Deck verweilt wenn sich das Boot in alle möglichen Himmelsrichtungen bewegt und dabei nass segelt wie eine Jolle, dann kann man sich vielleicht vorstellen, dass es nahezu unmöglich ist, eine Navigation on the way, also an Bord..step by step..durchzuführen. Allein das Zeichnen einer geraden Linie ist eine echte Herausforderung wenn das Boot alles macht, nur nicht ruhig in eine Richtung fahren. Was ist also die Lösung des Problems?
Die Navigation muss mit nahezu allen Eventualitäten bereits im Voraus vorbereitet sein, der Kurs abgesteckt, die jeweiligen Kurse, also Kreuz oder vor dem Wind überlegt sein und am besten hat man einen Routing Vorschlag einer guten Navigationssoftware die einem einen schlauen Weg durch die Strecke vorschlägt. Zum Glück und da bin ich wirklich sehr dankbar hat mir mein Mini Freund Frank Eckardt mit dem ich dieses Jahr 2 der 3 Rennen double handed segeln werde seinen Dongle für sein sündhaft teures Naviprogramm Adrena geliehen und so konnte ich die ganze Vorbereitung professionell durchführen. Als Gegenleistung braucht er sich an den Startgeldern nicht beteiligen und das ist ja vielleicht auch nicht so schlecht :-)
Wie sieht so eine Navigationsvorbereitung eigentlich aus? Im Endeffekt druckt man sich die Teile der Seekarte auf der man sich bewegt und auf der der zu segelnde Kurs eigetragen ist aus und laminiert sich diese ein, sodass diese auch an Deck bei dem üblichen Vollwaschgang weiter lesbar bleiben. Zusätzlich trägt man sowohl in die Karte, als natürlich auch ins das GPS so ziemlich jedes Kap und jede gefährliche Ecke mit einem Wegpunkt ein damit man am Ende genau weiß wie weit man von dem Punkt eigentlich noch entfernt ist bzw. wo man vielleicht eben nicht hinsteuern will. Bei mir waren es dank Franks Vorbereitung der Software insgesamt 500 Wegpunkte. Des Weiteren druckt man sich den Maßstab mit aus, damit man über den sogenannten XTE (Cross track error) weiß wie weit man von seiner eigentlichen Kurslinie abweichen darf/will. Als letztes ist es natürlich extrem sinnvoll und wichtig zu wissen zu welcher Zeit an welchem Ort, welcher Strom herrscht, detaillierte Stromkarten runden das Ganze dann noch ab. Ich für meinen Teil habe dann noch über den gesamten Kurs die jeweiligen Winddreher Route
die vorhergesagt waren in die Karte mit eingetragen und so hatte ich das Gefühl gut vorbereitet zu sein.

 Am Mittwoch den 06.05.15 ging es dann endlich los. Aufgrund der fehlenden Zeit durch die knapp 2 Tage Lay Day wurde der Kurs auf etwa 300 Seemeilen verkürzt. Es sollte direkt südlich mit einem harten Reach um 90 Grad TWA in Richtung Plateau Rochebonne gehen (ca. 80 Seemeilen) und dann von da aus mit einer Kreuz in Richtung La Rochelle. Dort sollte hinter die Ile de Re gesegelt werden (flach und Fischernetze ohne Ende) um von da aus wieder Richtung Norden bis nach Lorient um die Insel Groix zu segeln. Von da aus dann wieder zurück nach La Trinite. (Siehe Kursbild).

Course
Die Wettfahrtleitung gab uns noch den freundlichen Tipp, dass wir bitte aufgrund des immer noch anhaltenden Starkwindes mit 2 Reffs im Großsegel den Hafen verlassen sollten und das war dann auch eine gute Idee. Ich hatte dann sogar noch ein Reff in die Genua (nennt man bei den Miniisten „Solent“) eigebunden…ja sowas gibt es…und das war dann die Einstellung für den Start. Im Hafen hatte ich mir noch überlegt, dass es ja ganz sinnvoll wäre bereits jetzt die gesamte Ausrüstung nach Steuerbord zu stauen, denn die ersten 80 Seemeilen sollten ja BB Bug mit 25-35 Knoten Wind versprechen. Gesagt getan, alles nach rechts, alles Schwere nach hinten und so fuhr ich mit Schlagseite nach Steuerbord aus dem Hafen was im Endeffekt tatsächlich dann unter anderem der Schlüssel zum Erfolg war. Die Boote wurden zeitversetzt je nach Ankunft aus dem ersten Renen gestartet und so durfte der erste Proto bereits um 15h starten und ich mit meinem Serienschiff und dem 18 Platz im Petto um 16:32h. Ab da ging der Höllenritt los und die Kiste peitschte von Welle zu Welle. Leider kam diese ja aufgrund des anhaltenden Starkwindes genau von der Seite aber das störte mein Boot nicht wirklich. Es ging trotzdem, wie gesagt, mit zweitem Reff im Groß und verkleinertem Vorsegel mit durchschnittlich 8 Knoten voran, in Spitzen über 10. Was ich bis dahin nicht ahnte war, dass ich mein Boot anscheinend optimal für diese Bedingungen getrimmt hatte, denn ich holte mir ohne irgendwelche Probleme Schiff für Schiff und zog mit etwa 1 bis manchmal sogar 2 Knoten mehr Geschwindigkeit vorbei. Das war ein atemberaubendes Gefühl zu wissen, dass die Segel die man gerade noch so am Horizont erkennen konnte mit jeder Minute größer wurden und dann nach einiger Zeit am achterlichen Horizont wieder verschwanden. Wer es nicht glaubt schaut auf den Tracker, :-) http://www.snt-regate.org/cartographie-yb

Das war richtig geil. Der Starkwind forderte dann aber auch recht zügig seinen Tribut. Zunächst riss der Lasching an der Genuaschot und so flatterte die Genua nur noch im Wind herum, also bei Riesen Welle nach vorn und das Vorsegel runter nehmen und einen neuen Softschäkel anbringen. Wer da die falsche Segel Bekleidung an hat ist anschließen pitsch patsch nass. Anschließend fiel die GPS Antenne aus. Das war dann ziemlich doof, denn ohne GPS geht es gar nicht bzw. war mir das in unbekannten Gewässern einfach zu heikel. Umdrehen kam aber nicht in Frage. Ich hatte noch ein Ersatz Hand GPS dabei und außerdem kann man ja versuchen das zu reparieren. Am Ende hat die GPS Antenne irgendwie keine Satelliten mehr empfangen. Ich habe die Position der Antenne dann verändert und danach ging es wieder. Nach einiger Zeit bemerkte ich dann, dass die sündhaft teuren Seestiefeln von Musto HPX nicht ihr Geld wert sind und von Innen patsch nass wurden. Sehr schön…also wieder ab unter Deck und Ersatzklamotten anziehen. Auf See sind mir warme und trockene Füße sehr wichtig, denn neben dem Kopf und dem Nacken kühlt man doch über die Füße am meisten aus. Ich hab mich dann für meine Dinghi Ausrüstung (Trockenanzug und Neoprenschuhe) entschieden was eine gute Entscheidung war. Leider hab ich schon lange keine OK mehr gesegelt und so war eine Fuß Manschette verklebt und beim auseinanderziehen gerissen. Also noch schnell Selbstvulkanisierendes Klebeband um die Manschette gewickelt (war ganz schön eng) und schnell wieder raus aus dem Schiff. Mittlerweile war mir so kotz übel von dem Aufenthalt unter Deck und den brechenden Wellen die über das Cockpit krachten, dass ich meinen Mageninhalt Rasmus spenden musste. Ich hoffe es hat geschmeckt :-)
Der Seekrankheit verfallen gab es nun wieder 2 Möglichkeiten was ich machen konnte. 1. Aufgeben und zurück segeln (kommt nicht in Frage) oder 2. Zähne zusammen beißen und weiter machen. Ich wollte es mit Alternative 2 versuchen. Der Wind nahm zwischen 20 und 24 Uhr langsam auf im Mittel 17-25 Knoten ab und so reffte ich Stück für Stück aus. In der Nacht gegen 4 Uhr kam ich an der ersten Wegmarke Plateau Rochebonne an. Der Wind ging dann auf 5-9 Koten runter und drehte weiter nach links. Die Situation und Winddrehung ein wenig unterschätzt fuhr ich zu tief und musste am Ende die Wegmarke noch mit ein zwei Schlägen aufkreuzen. Ärgerlich, den so kamen 2 Boote von hinten wieder auf die anscheinend die Situation besser eingeschätzt hatten.
Gegen Sonnenaufgang kam ich dann in den Genuss eines Naturschauspiels von dem ich schon von vielen Mini Seglern und Videos auf You Tube gehört hatte. Eine riesige Delphin Familie kreuzte meinen Weg und schien mit mir und meinem Boot spielen zu wollen. Etwa eine halbe Stunde lang schwammen die süßen Säuger links und rechts an meinem Boot vorbei, machten tolle Geräusche und atmeten frische Luft ein. ein toller Moment. Schade als Sie dann von dannen zogen und wahrscheinlich einen meiner Konkurrenten glücklich machten. Ist schon ein Wahnsinn was diese Tiere für einen psychologischen Eindruck auf und Menschen ausüben.
Die anschließende Kreuz in Richtung La Rochelle (ca. 45 Seemeilen) erwies sich als äußerst langwierig, zunächst mit sehr leichten winden um 0-5 Knoten, dann wieder zunehmend auf 12-17 Knoten Wind. Auf der Kreuz habe ich dann auch meinen Schlaf finden können und immer so 30 Minuten am Stück die Augen zu gemacht. Manchmal länger, manchmal weniger, je nachdem, was gerade so an Deck passierte, denn tief schlafen konnte man das wirklich nicht nennen. Gut getan hat das Augen zu machen aber allemal. Langsam auch erholt von der abendlichen und nächtlichen Seekrankheit fand ich auch wieder die Muße etwas zu essen. Das aus Deutschland mitgebrachte Müsli gab mir wieder Kraft und so begann eine neue Phase der Regatta mit guter Laune, fabelhafter Musik und sonnigem Wetter um La Rochelle herum. Der Wind pendelte etwas und war meist um 9 Knoten stark. An la Rochelle vorbei ging es dann unter der Brücke zur Ile de Re vorbei und ein Begleitboot der Wettfahrtleitung das dort vor Anker lag um die passierenden Minis über eine weitere Bahnabkürzung zu informieren sprach mich mit exzellenten Deutsch an und wünschte mir eine gute Weiterfahrt. toll. So macht segeln in einem fremden Land doch echt Spaß.

Passage Ile de Re
Passage Ile de Re

Ab Ile de Re sollte es dann direkt ohne Umwege über Lorient und Ile de Groix ins Ziel nach la Trinite gehen, also noch etwa 100 Seemeilen. Mega Stimmung an Deck, yea es geht Nacht Hause. Ich fiel ab auf etwa 100 Grad TWA und zog den Code 5, der Wind drehte relativ schnell weiter nach rechts, sodass ich den Code 5 gleich wieder einpacken konnte und gegen den Medium Spi wechselte. An gefühlt 100 Fischerfahnen bei 2-3 Meter Wassertiefe vorbeisegelnd war ich froh das es noch nicht richtig dunkel war und so konnte ich im im Gegensatz zu einigen anderen Mini Seglern dem Einsatz im Wasser unter Anwendung von Schneidwerkzeug entgehen :-)
25 Seemeilen bis le Sable de Ollone (Starthafen Vendee Globe) und das mit Medium Spi, 7-9 Knoten über Grund, das ging schnell, ab da verabschiedete sich der Wind allerdings für einige Stunden und Gewitter zogen in der Ferne auf. Zum Glück mit genügend Abstand zu mir, dafür schickte das Gewitter dann aber einen ordentlichen Regen, also war umziehen wieder angesagt. Bei dem Regen und dem leichten Wind von 0-3 Knoten wollte kein Spi mehr stehen. Also barg ich den Spi und fuhr nur unter Groß und Genua meinen eigentlichen Zielkurs, das war dann wohl auch der Schlüssel zum Erfolg in der zweiten Nacht, denn währen die Ein- oder Anderen unter Autopilot Kreise drehten oder fiese Winkel unter Spi versuchten zu fahren fuhr ich mit 2 Knoten Fahrt ohne Spi, dafür aber in die richtige Richtung. Yea, das machte Spaß. Am nächsten Morgen (Freitag) war ich dann kurz etwas irritiert, weil ein Mini, den ich in der ersten Nacht überholt hatte direkt hinter mir war und dachte ich hätte die Nacht über schlecht gesegelt. Ihm gegenüber mag das auch stimmen, aber nach gründlicher Umsicht konnte ich feststellen, dass ich sogar in das Feld der hinteren Protos hinein gefahren war und bei den Serien Minis im vorderen Mittelfeld angenommen war. Super, dass hieß es dann zu halten, was im Endeffekt gar nicht so einfach war, weil die Miniisten hinter mir mit allen Mitteln versuchten, Ihren Rückstand in einen Vorsprung umzumünzen. So wurde bei jeder Winddrehung oder Veränderung der Windstärke ein neues Segel gezogen. Gefühlte 100 Spiwechsel machten den Tag definitiv nicht langweilig. Spi runter, anderer Spi rauf, kurz einstellen, alten Spi wieder in den Sack packen und dann konnte man auch schon fast den gerade wieder frisch gepackten Spi oder einen anderen wieder hoch ziehen und neu packen. Wie ärgerlich :-)
Angekommen in der Bucht von Quiberon fuhren wir zunächst bei 15 Knoten Wind mit großem Spi und ca. 120 Grad TWA als der Wind dann (vielleicht liegt es ja an der Bucht) wieder ordentlich auf über 20 Knoten zunahm. Zunächst konnten wir das Ziel gerade noch so anliegen, aber mit jedem Knoten mehr Wind wurde der Kurs tiefer und ein echt schwieriger Segelwechsel von Spi Max auf Code 5 lag an. Die pushende Konkurrenz hatte hinter mir bereits gewechselt und ich versuchte mit dem größeren Speed noch etwas Vorsprung heraus zu holen. Das konnte aber nur gut gehen, wenn ich beim Bergen des Spi nicht zu viel höhe verschenke und so folgte ein Spi Bergemanöver im vollen Reach. Jeder kann sich vielleicht vorstellen wo der Spi hinfliegt, wenn die Tack leine bei voll Dampf und relativ spitzem Kurs geöffnet wird. Geklappt hats aber trotzdem und der Code 5 ging dann auch relativ schnell hoch. Beeilen musste ich mich ja ohnehin, so war die Motivation das schnell hinzubekommen doppelt hoch. Im Ziel angekommen war ich dann gut 2-3 Minuten vor meinen beiden Verfolgern. Überglücklich das geschafft zu haben und mit einem für einen Klasseneinstieg, gerade in einem Transat Jahr, hervorragenden 12 Platz abgeschlossen zu haben war echt Balsam für die Seele. Im Hafen gab es dann auch gleich anerkennende Worte der direkten Konkurrenz. Der Name Andreas Deubel ist nun nicht mehr unbekannt im Mini Zirkus und das macht mich stolz.
Zu guter Letzt noch zwei drei Anmerkungen:

 1. Das die Franzosen kein Englisch sprechen stimmt nicht, die waren alle total nett, hilfsbereit und aufgeschlossen.

 2. Das Mini Segeln Selbstkasteiung par excellence ist stimmt.

 3. Das Dominik Lenk mit seinem Proto hinter mir gelandet ist lag in meinem Augen ausschließlich daran, dass er nahezu das gesamte Rennen ohne Autopilot segeln musste (Hut ab)

 4. Wie man das auf einem Transat über 3 Wochen aushalten kann muss mir noch jemand erklären und begründen :-)

 Das nächste Rennen ist das Mini Fastnet, 600 Seemeilen nach Irland und zurück. Einen ausführlichen Bericht wird es natürlich wieder geben.
Vielen Dank an alle Unterstützer und Follower die mich ermutigen weiter zu machen. Ihr seid spitze.
Viele Grüße
Andreas

PS: Gewonnen hat das Rennen im übrigen der sympatische Franzose Frederic Denis mit dem Proto Nautipark FRA 800

Winner

PPS: Der ehemalige Eigner meines Mini 819 „Simon Koster“ hat sich im übrigen einen neuen Mini gebaut. Diesmal kein Serienboot, sondern einen Proto…..die Optik lässt viel Spielraum für Diskussionen übrig :-)

Proto Simon Koster
Proto Simon Koster

Mini en Mai (500 Seemeilen durch die Biscaya)

Ab Montag ist es soweit. Das Mini En Mai startet und ich bin dabei.
500 Seemeilen quer durch die Biscaya. Das wird ein echter Härtetest.
Für mich zählt….Hauptsache ankommen, denn sowohl navigatorisch, als auch physisch und mental ist dieses Rennen eine echte Herausforderung.

Schlaf zu finden während dein Boot mit über 10 Knoten die Wellen runter rauscht und dann auch noch die viele Schifffahrt, Konkurrenten und Kap´s im Auge zu behalten….
das ist echt nicht einfach.

Anbei auch der Link des Race Trackers, so könnt Ihr sehen wo ich und meine Konkurrenten gerade bin.

http://www.snt-regate.org/cartographie-yb

Nicht vergessen…bei Mini Regatten gibt es 2 Wertungen:

1. Protos = deutliche schneller, weil aus Carbon gebaut und mit mehr Segelfläche, Wasserballast und Schwenkkiel

2. Serienboote (wie meines vom Typ Nacira), hier ist nur der konventionelle Bootsbau, keine exotischen Werkstoffe, kein Wasserballast, kein Schwenkkiel und auch weniger Masthöhe und Kiellänge erlaubt. Somit also langsamer, dafür aber auh weniger anfällig für irgendwelche Ausfälle auf See.

Ich freue mich, wenn mir viele die Daumen drücken und ein wenig mitfiebern. Der Wind soll ja ordentlich blasen, das macht das Rennen zwar etwas schneller, aber auch viel anstrengender.

Bis bal im Ziel

Andreas

Auskranen und ab ins Winterlager

Nach einer erfolgreichen ersten Saison auf der Ostsee wird die gute Lady nun winterfest verpackt und im März nach Lorient gebracht um im Class Mini circus zu seinen Wurzeln zurück zu kehren.

Für mich wird es ein sehr spannender Saisonauftakt, zunächst zusammen mit meinem Co-Skipper Frank Eckardt und dann im Mai single handet im Mini en Mai.

Die weitere Regattaplanung gibts in Kürze

Bis bald

Andreas

Dies ist die offizielle Homepage von Andreas Deubel und seinem Projekt Mini Transat 2017